Organisationale Schattenwelten

Der Begriff Schattenwelt ist hier mit Bedacht gewählt. Organisationen brauchen Licht im Sinne von offiziellen Regeln, Normen, Werten, Programmen, Kommunikationswegen und sie brauchen Schatten im Sinne von inoffiziellen Regeln, Normen, Werten etc.. Warum ist das so? Keiner der hier vorgestellten Leitprozesse lässt sich über formale Regeln entscheiden, da man dann die Gegenwart, die sich in …

Gründlich

Jeder Arbeitsschritt und jede Teilleistung in einer Organisation muss sich mit der Frage beschäftigen (oder sie als schon entschieden implizit mitführen): „Ist das gründlich, haltbar, tauglich, zuverlässig genug?“. Die Antwort auf diese Frage lässt sich sachlich und sozial fokussieren: Gründlich im Hinblick auf das Produkt/den Vorgang/die Dienstleistung („Ist es auch sauber lackiert?) und gründlich im Hinblick …

Schnell

Schnelligkeit ist gegenwärtig Trumpf. Neue Management- und Organisationskonzepte die auf Geschwindigkeit setzen, gibt es viele: Scrum, agiles Projektmanagement, Design Thinking, Lean Management u.v.a.. Schnelligkeit droht jedoch zur neuen Norm zu werden und damit die Leitunterscheidung Qualitätsfokus einseitig zugunsten einer Alternative aufzulösen. Tatsächlich kann und muss sich jeder Arbeitsschritt und jede Teilleistung in einer Organisation mit der …

Situationsorientiert

Situationsorientiertes Handeln bedingt, dass von allgemeinen Regeln abgewichen werden kann. Organisationen brauchen die Möglichkeit zu tolerierten Regelverletzungen. Jeder Fall ist anders, sonst könnte man gewissermassen ausrechnen, was zu tun ist. Organisationen nutzen die Möglichkeit zu akzeptierten Ausnahmen ständig. Hierbei ist auffällig, dass diese Akzeptanz explizit sein kann („Dann machen wir für diesen Kunden mal eine Ausnahme!“). …

Regelorientiert

Einer Regel zu folgen, bedeutet eine allgemeine Anweisung auf eine Situation anzuwenden. Ohne derartige Anweisungen würden Organisationen keinen Bestand haben, besser – sie würden sich gar nicht erst bilden. Regeln schaffen Erwartungssicherheiten und damit die Möglichkeit Handlungen und Kommunikation zu koordinieren. Der Zusammenhalt von Organisationen beruht zu einem wesentlichen Teil auf einem Regelwerk, welches Gültigkeit …

Außenorientiert

Customer centricity – fast schämt man sich eines der Buzz-Wörter in Organisationen der letzten beiden Jahrzehnte zu verwenden. Und doch – dass Verwaltungsbehörden zum Bürgercenter mutieren, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Deutsche Telekom gegen das Einreichen langer Formulare dem Antragsteller nach Wochen Wartezeit das eine graue Telefon installiert hat, und dass man beim …

Innenorientiert

Sucht man ein Beispiel für eine innenorientierte Organisation, stellt man sich am besten ein Krankenhaus in alten Zeiten vor: Klare und eiserne Besuchsregelungen, wenig Information für den Patienten, klarer Schichtplan mit Waschen und Füttern der Patienten ab fünf Uhr morgens, Einheitsessen, alle Macht beim Arzt und dessen Urteil, was für den Patienten das Beste ist. …

Entkoppelnd

Überall dort, wo organisationale Prozesse entkoppelt werden („Ihr macht jenes und Ihr kümmert Euch nur um dieses“!), wird einerseits Komplexität reduziert und gleichzeitig für die Gesamtorganisation Komplexität geschaffen. Es ist wichtig zu verstehen, dass auch der Leitprozess Vernetzung paradox ist. Beispiel: Eine Organisation reagiert auf die Komplexität in der Umwelt (neue Länder, in denen verkauft werden soll, kommen hinzu), …

Verknüpfend

Die bekannteste Form der Verknüpfung in Organisationen sind Organigramme. Sie regeln wer mit wem auf welche Weise spricht (Anweisungen oder Berichterstattung) und wer was tut. Es gibt unendlich viel mehr Prozesse der Verknüpfung. Diese haben eine innere Tendenz zum Wachstum (landläufig: bürokratische Strukturen). Organisationen neigen zu weiteren, neuen und umfassenderen Verästelungen von Verknüpfungen für Controlling, …

Theoriebezüge zur Organisationsdynamik

Die theoretischen Bezüge, die wir in dieser Darstellung der Organisationsdynamik nutzen, sind weit gespannt und gleichzeitig einem Fokus verschrieben. Unser Ansatzpunkt ist die Systemtheorie von Niklas Luhmann. Daher ist diese metatheoretische Darstellung auch eng gekoppelt an seine Veröffentlichungen und die seiner Schüler. Andererseits lassen sich Organisationen nicht ohne die Tradition der klassischen betriebswirtschaftlichen Organisationstheorien, der Organisationssoziologie, -geschichte …