Unkalkulierbarkeit und Konflikt

Unkalkulierbarkeit bedeutet hier, dass kein System je weiß, wie ein anderes System agiert. Der Organismus des eines hat einen anderen Körper ohne Vorankündigung mit einem Virus versorgt, der Partner hat eine Affäre oder stirbt unverhofft, der Mitarbeiter kündigt zum falschen Zeitpunkt, der Wettbewerber einer Firma hat das vergleichbare Produkt billiger als gedacht angeboten etc. All …

Konflikt als Prozess

Es macht einen Unterschied, ob man Konflikt als vorliegend (“Ding”) oder als geschehend (“Prozess”) ansieht. Wenn der Konflikt quasi vorhanden ist, dann definiert man ihn, z.B.: Konflikt ist Gegensatz von Interessen, oder Konflikt ist Mangel an überlebenswichtigen Ressourcen, o.a.m.! Konflikt als Prozess wird als zeitliches Geschehen verstanden, das sich entwickelt, ausformt und sich in seiner …

Leitprozesse der Konfliktdynamik

Wenn Konflikt als Prozess verstanden wird, lässt sich erklären, dass mehr oder weniger alles zum Gegenstand einer Konfliktdynamik werden kann und dass Konflikte überall und immerwährend das soziale Leben prägen (Missverständnis und Konflikt sind also das “Normale”). Konflikte sind für die Stabilisierung wie für die nötige Destabilisierung sozialer Muster unerlässlich. Dieser theoretische Ansatz unterscheidet zwischen …

Wählend

Kommunikation ist notwendig und möglich, weil man nicht weiß, wie der andere reagiert oder was er antwortet. Wüsste man, was der andere denkt und wüsste der andere, was man selbst denkt, müsste man nicht miteinander reden. Die Unsicherheit, die aus dieser Unkenntnis der psychischen Prozesse anderer erwächst, wird durch Kommunikation bearbeitet. Ich werde angesprochen und …

Verneinend

Wenn auf jede Information, jede Mitteilung des einen der andere mit nein antwortet und dieser wieder mit nein, eskaliert der Konflikt bis zur wechselseitigen Vernichtung – außer man geht sich aus dem Weg. Konflikte entstehen nicht durch Nein, sondern durch Doppel-Nein. „Wollen wir ins Kino gehen?“, „Nein“, „Also gut!“ ist kein Konflikt. Erst wenn ein …

Dialogisch

Dia-logisch meint im griechischen Wortsinn ineinander fließende Worte unterschiedlicher Personen. Davon wird häufig der Monolog unterschieden, bei dem der Sprecher mit sich selbst spricht. Diese Unterscheidung markiert einen wichtigen Aspekt der Konfliktdynamik. Je weniger man Anlass sieht, sich mit dem anderen zu beschäftigen und sich im Kontakt auf ihn zu beziehen, desto stabiler wird ein …

Feindlich

Feindlich nennen wir einen der beiden Kontaktmodi im Konfliktsystem. Nicht sonderlich überraschend, da die Zuschreibung „Feind“ als Merkmal von Konflikten in fast allen Konflikttheorien gilt. Dieser Begriff bezeichnet hier eine stabile Erwartung bei einer Person oder einem sozialen System, dass der Konfliktpartner durch eine Haltung und Motivlage geprägt ist, die einem selbst schaden will. Es …

Unklar

Konflikte lieben klare Bewertungen. Vor allem Empfindungen wie ungerecht behandelt, verraten, unterdrückt, übervorteilt, übermächtigt, beschuldigt, abgeurteilt, beschämt, erniedrigt, verletzt, ausgestossen, benutzt und vieles andere mehr eignen sich für klare Einordnungen von richtig/falsch und gut/böse. So geht im  Bewertungsmodus sehr leicht die Freiheit, auch den anderen Pol „unklar“ zu wählen. verloren. Denn die Bedingung dafür, dass …

Verabsolutiert

Bewertungen sind Teil des seelischen und sozialen Lebens. Sie geben Orientierung und führen zu stabilen Strukturen. Personen, Teams und Organisationen brauchen Grundsatzentscheidungen darüber, was richtig und falsch ist. In Konfliktsystemen bekommt dieser Prozesse eine etwas andere Form. Die sachbezogenen Bewertungen richtig/falsch werden emotional und moralisch etikettiert. D.h. das Richtige ist auch gefühlt das Richtige und …