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Funktion des Pols „Verneinend“

Ohne Verneinung, kein Konflikt. Verneinen ist für soziales Miteinander unabdingbar. Das klingt vielleicht merkwürdig, da man doch eher erwartet, dass Harmonie, Konsens und friedliches Miteinander die Zielpunkte des Zusammenlebens sind. Jedoch was ist, wenn alle allem zustimmen? Wozu dann überhaupt kommunizieren? Nur wenn man nicht weiß, ob der andere ja oder nein sagt, lohnt es sich etwas zu sagen oder zu fragen. Noch schlimmer wird es, wenn der andere nicht nein sagen kann. Dann kommt jene Ungewissheit zum Erliegen, die Freiheit ermöglicht, denn – Freiheit ist die Freiheit, Nein zu sagen!
Wenn zwei Seiten von dieser Freiheit Gebrauch machen und davon nicht ablassen, entstehen Konflikte. Doppelter Widerspruch macht allerdings auch nur Sinn, wenn man bei sich und dem anderen davon ausgeht, das Nein auch wieder aufzugeben. Wenn man nur Nein sagen könnte, wäre die Freiheit auch verloren. Darum sind Auseinandersetzungen in ihrer Geburt und in ihrem Bestand Ausdruck praktizierter Freiheit. Verneinung macht nur in Kombination mit dem Pol „wählend“ Sinn. Die Funktion von Verneinung in Konflikten ist es, durch doppelte Negation für einen stabilen Konflikt zu sorgen und gleichzeitig die Erwartung im Spiel zu halten, dass ein Ja nicht auf Ewigkeit ausgeschlossen ist.