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Funktion des Pols „Linear“

Beschuldigungen, Anklagen oder Verantwortungszuschreibungen können immer dann funktional werden, wenn die bestehenden Verhältnisse besonders stabil geworden sind. Diese Stabilität kann in gewohnten Mustern, in Herrschaftsverhältnissen, in Unkenntnis der Auswirkungen, in verkrusteten Ungerechtigkeiten, im Machtgenuss Einzelner oder von privilegierten Schichten o.ä. begründet sein.
Konflikte können oft erst ihre Wirksamkeit entfalten, wenn die Parteien sich wechselseitig ernst nehmen müssen. Daher sind gut vorgebrachte Anschuldigungen, in denen eine (bislang) unterlegene Partei der anderen aufweist, was diese zu dem ungünstigen Status quo beiträgt, bisweilen unerlässlich. Auch Konfliktmoderatoren müssen in Konflikten dazu beitragen, dass die Vorwürfe (= lineare Anschuldigungskommunikation) alle auf den Tisch kommen. Ebenso ist es notwendig, dass die beschuldigte Partei diese Vorwürfe nicht einfach schnell (!) vom Tisch wischt. Es gilt darauf zu achten, ob das ein Reflex zum „Machterhalt“ ist, oder ob es Ausdruck vom eigenem Selbstvertretungsrecht ist. Das ist sowohl für die Beteiligten wie für Moderatoren oft nicht einfach zu beurteilen. Vorwürfe können eben sehr funktional und sehr dysfunktional sein. Aber wenn diese Sorgfalt in der Beurteilung unterbleibt, werden mögliche Einigungen und Konfliktlösungen instabil sein und mutieren zu faulen Friedensschlüsse.