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Regelorientiert

Einer Regel zu folgen, bedeutet eine allgemeine Anweisung auf eine Situation anzuwenden. Ohne derartige Anweisungen würden Organisationen keinen Bestand haben, besser – sie würden sich gar nicht erst bilden. Regeln schaffen Erwartungssicherheiten und damit die Möglichkeit Handlungen und Kommunikation zu koordinieren. Der Zusammenhalt von Organisationen beruht zu einem wesentlichen Teil auf einem Regelwerk, welches Gültigkeit beansprucht. Dabei ist hier erst einmal unerheblich, ob eine solche Regel aufgeschrieben und damit explizit ist, oder ob alle sie kennen und sie implizit wirksam ist.

Das Problem mit Regeln ist, dass sie nicht regeln können, wann sie angewendet werden müssen. Ob die gegenwärtige Situation eine ist, die durch die Regel erfasst ist und sie gemäß der Regel zu bearbeiten ist, bleibt eine Entscheidung – nämlich die Entscheidung, ob die Regel benutzt werden muss oder nicht! Organisationen können es sich also nicht ersparen, eine „Regelbeachtungskompetenz“ auszubilden.

Dabei muss vorausgesetzt sein, dass Akteure in der Organisation ein Interesse daran haben, Regeln zu beachten. Das ist weniger trivial als es scheint, und es gibt Unmengen an philosophischen Bemühungen zu diesem Thema. Wir gehen hier davon aus, dass ein wesentlicher Grund im Sicherheitsbedürfnis der Psychodynamik liegt. Menschen halten sich an Regeln nicht primär aus Sanktionsängsten, sondern aus Unsicherheitsvermeidung. Da sie gleichzeitig auch ein Freiheitsbedürfnis in sich tragen, haben sie auch ein Potential zur Regelverletzung. Beides ist notwendig, damit Organisationen Regeln gleichzeitig hinreichend stabil und flexibel halten können und damit situationsorientiert zu operieren.