Erwartungen (Psyche)

Die Art und Weise, wie sich die psychischen Leitprozesse Struktur verleihen, lässt sich auch mit dem alltagssprachlichen Wort „Erwartungen“ bezeichnen. Erwartung bedeutet, dass man mit bestimmten Ereignissen oder Möglichkeiten rechnet, mit anderen hingegen nicht! Diese Erwartungsstrukturen bilden sich, wenn man die Säuglingsforschung befragt, schon ab den ersten Wochen des Lebens aufgrund der Erfahrungen, die wir mit …

Coaching und Psychotherapie

Psychotherapie wie Coaching versprechen Veränderungen im Verhalten, Erleben und Kommunizieren ihrer Klienten. Die Prinzipien, nach denen diese Veränderung zustande kommt, bzw. bewirkt werden soll, können nicht unterschiedlich sein. Wie sollte das möglich sein? Die Prinzipien der Veränderung, die Wirkfaktoren um seelisches Wohlbefinden, Arbeitsmotivation, gelingende Kommunikation und gute Leistungen zu ermöglichen, gelten für alle Beratungsformen gleichermassen, da im Coaching …

Tabus

Wenn Tabus ins Spiel kommen („Darüber will ich erst gar nicht reden!“), ist das ein recht sicherer Hinweis darauf, dass der Klient versucht, etwas, das ihm nicht bewusst ist, auch unbewusst zu halten. Tabu meint hier, dass über etwas nicht gesprochen oder noch nicht mal in Erwägung gezogen werden darf. Gleichzeitig ist oft eine schnelle Bereitschaft …

Leitprozesse der Psychodynamik

Kleiner Hinweis für systemtheoretisch interessierte Leser: Wie ist die Einheit des psychischen Systems zu denken, wenn acht verschiedene Leitprozesse zu identifizieren sind? Die Idee einer Zentralinstanz (etwa Denken, Vernunft, Das Selbst, Identität) lässt sich systemtheoretisch nicht halten und rechtfertigen. Wenn jeder der acht Leitprozesse für sich allein eine Gegenwart (= Ereignisse) ausdifferenziert, dann wäre die …

Entscheiden

Entscheiden heißt etwas (nicht) zu wollen. Entscheiden heißt, dass man verzichtet zu rechnen. Rechnen meint hier, dass man Für und Wider, Vor- und Nachteile der Alternativen auflistet und zusammenzählt, in der Hoffnung, dass klar ist, was zu tun ist. Funktioniert das nämlich, braucht man gar nicht zu entscheiden. Dann ist die Sache geklärt. Wenn aber …

Richtige Entscheidungen

Man muss sich immer vor Augen halten: Richtige Entscheidungen zu suchen, heißt die Zukunft kennen zu wollen. Diese ist aber für jeden unbekannt. Je unsicherer die Zukunft (weil anders als die Vergangenheit) desto unsinniger wird es nach richtigen Entscheidungen zu suchen. Daher erscheint es sehr viel sinnvoller, statt dessen nach einer angemessenen Entscheidung zu suchen. Angemessene …

Kontaktvoraussetzungen

Kontakt meint die wechselseitig aufeinander bezogene Bewusstheit mindestens zweier Menschen. Dies setzt Mehreres voraus: Erstens braucht es eine differenzierte Selbstwahrnehmung. Diese beinhaltet ein unbehindertes und spontanes Zulassen der sich entwickelnden Gefühle und Empfindungen. Je eingeschränkter sich jemand wahrnimmt oder je mehr jemand darauf angewiesen ist, bestimmte Empfindungen nicht zu spüren, desto weniger „Material“ kann er …

Führung

Wir verstehen Führung strikt als soziales Phänomen und nicht als Leistung einer Person. Damit stehen wir in Distanz vor allem zu den im anglo-amerikanischen Bereich weit verbreiteten „Great-Man“-Vorstellungen, die sich um Begriffe wie Leadership, Charisma, Visionär etc. ranken. Führung unterscheiden wir (mit Luhmann) klar von Autorität und Macht. Führung ist eine Form der Einflussnahme und …

Struktur

Die Bedingungen, aufgrund deren ein Prozess beobachtbar wir, nennen wir Struktur. Struktur liegt nicht vor oder ist per se fest (wie häufig gedacht). Struktur wird erzeugt und aufrechterhalten, sonst vergeht sie oder zerfällt. Strukturen organisieren Erwartungen bzw. bilden die Voraussetzungen für Überraschungen. Daran, dass man überrascht ist, merkt man, dass man eine Erwartung hatte, die so nicht eingetreten …

Eigenzeit von Systemen

Wenn Systeme sich aus sich heraus gestalten (Eigendynamik / Autopoiesis), dann leben sie in einer „eigenen“ Zeit, die eine wichtige Eigenschaft hat: Sie steht nicht „fest“, sondern alle Stabilität wird stabil gehalten, wird also gestaltet, und liegt nicht einfach vor: Die Zeit auf dem Zahnarztstuhl zieht sich deutlich mehr als die Zeit im spannenden Kinofilm. Dieser …