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Erwartungen (Psyche)

Die Art und Weise, wie sich die psychischen Leitprozesse Struktur verleihen, lässt sich auch mit dem alltagssprachlichen Wort „Erwartungen“ bezeichnen. Erwartung bedeutet, dass man mit bestimmten Ereignissen oder Möglichkeiten rechnet, mit anderen hingegen nicht! Diese Erwartungsstrukturen bilden sich, wenn man die Säuglingsforschung befragt, schon ab den ersten Wochen des Lebens aufgrund der Erfahrungen, die wir mit der Resonanz unserer Umwelt auf uns machen. Wir nennen diese Erwartungen auch psychische Entscheidungsprämissen: Menschen bilden Wahrscheinlichkeitsannahmen für fast jede Lebenslage aus: Verlieben, Bewerben, Widersprechen, Gruppenmitglied sein, Konflikte austragen, Sich-Hervortun, Witze erzählen, Entscheidungen treffen, Prüfungen schreiben, Kontakt suchen, Konkurrieren und tausend andere Vorgänge mehr. Die Gemeinsamkeit ist jedoch die Bezogenheit auf andere Menschen und deren Reaktionen. Erwartungen des psychischen Systems sind in bestimmter Hinsicht auch immer Beziehungserwartungen: Welche Reaktionen bekomme ich von anderen auf meine Aktionen, und wie reagiere ich auf deren Aktionen. Der Mensch ist ein Beziehungswesen und auf „Adressierung“ angewiesen. Daher sind die psychischen Strukturen verinnerlichte Beziehungserfahrungen, die als Erwartungen vorentscheiden, wie man lebt, erlebt und handelt. Die Vergangenheit ist Gegenwart in Form meiner Erwartungen.

Beratung heißt, herauszufinden wie man die etablierten Erwartungsstrukturen aufrechterhält, damit man sie dann, wenn man seiner eigenen Logik mit Akzeptanz begegnet, selbstverantwortlich und bewusst loslassen kann.



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