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Eigenzeit von Systemen

Wenn Systeme sich aus sich heraus gestalten (Eigendynamik / Autopoiesis), dann leben sie in einer „eigenen“ Zeit, die eine wichtige Eigenschaft hat: Sie steht nicht „fest“, sondern alle Stabilität wird stabil gehalten, wird also gestaltet, und liegt nicht einfach vor: Die Zeit auf dem Zahnarztstuhl zieht sich deutlich mehr als die Zeit im spannenden Kinofilm. Dieser Gedanke wird wichtig, wenn unterschiedliche Systeme – also etwa unterschiedliche Bereiche oder Teams in Organisationen oder auch Familienmitglieder und Paare – sich synchronisieren müssen.
Was für das eine System schnell ist, ist für das andere zu langsam, was für die einen überholt ist, ist für die anderen gewöhnungsbedürftig, was für die einen mit dem Alten bricht, ist für andere überfällig etc.
Unter hyperkomplexen Bedingungen muss man erwarten, dass Spannungen und Konflikte zunehmen, und es besondere Kompetenzen braucht, um diese Synchronisierung zu leisten.
Die Aufmerksamkeit von Beratung auf dieses Phänomen ist unseres Erachtens bislang nicht sehr ausgeprägt, da man sich vornehmlich um die Sachdimension (= Probleme, Inhalte der Enscheidungen) oder die Sozialdimension (= Beziehungen, Konflikte, Kommunikation) kümmert. Die Dimension Zeit ist für alle Arten von Beratung aus metatheoretischer Sicht bislang vernachlässigt. Wie die Struktur der Zeit zu denken ist, und wie sich dies auf Beratung auswirkt, ist ein Feld dieser theoretischen Bemühungen.



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