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Leitprozesse der Psychodynamik

Kleiner Hinweis für systemtheoretisch interessierte Leser: Wie ist die Einheit des psychischen Systems zu denken, wenn acht verschiedene Leitprozesse zu identifizieren sind?

Die Idee einer Zentralinstanz (etwa Denken, Vernunft, Das Selbst, Identität) lässt sich systemtheoretisch nicht halten und rechtfertigen. Wenn jeder der acht Leitprozesse für sich allein eine Gegenwart (= Ereignisse) ausdifferenziert, dann wäre die Psyche – analog der Gesellschaft der Gegenwarten (Nassehi) – eine Psyche der Gegenwarten. Jeder dieser Prozesse bildet dann eine eigene Gegenwart ab, deren Zusammenspiel (nicht deren Zusammenhang) den psychischen Prozess ergibt. Die Einheit dieser Differenz liegt in der Prozessierung von Aufmerksamkeit, die eben unbewusst/bewusst, handelnd/betroffen, hemmend/zulassend, plausibel /unplausibel, reagierend/ignorierend, zeigend/verbergend, prägnant/diffus abläuft. Diese Einheit wird folglich über Reflexion hergestellt, sie wäre kein Ereignis der „Welt“. Damit ist „die“ Psyche gegenwartsbezogen, situativ, ereignisbehaftet und prozessual. „Ich“ wäre nicht viele, sondern „Ich“ wäre dies, an diesem Ort, in diesem Moment, in diesem sozialen Kontext. Ich bin hier, mit Dir jetzt so und anschließend dort und dann mit Dir anders.



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