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Entscheiden

Entscheiden heißt etwas (nicht) zu wollen. Entscheiden heißt, dass man verzichtet zu rechnen. Rechnen meint hier, dass man Für und Wider, Vor- und Nachteile der Alternativen auflistet und zusammenzählt, in der Hoffnung, dass klar ist, was zu tun ist. Funktioniert das nämlich, braucht man gar nicht zu entscheiden. Dann ist die Sache geklärt. Wenn aber die Alternativen gleichwertig sind, dann braucht es einen Willensakt: „So und nicht anders!“. Damit hat man mit den Nachteilen zu leben, die aus den entgangenen Vorteilen der verworfenen Alternative erwachsen. Entscheiden hat immer seinen Preis. Man entscheidet sich immer auch gegen etwas. Daran erkennt man, ob man überhaupt entschieden hat. Man ist dann eben in den Bergen und nicht am Meer, man hat dann das geräumige aber nicht das schicke Auto usw.. Entscheiden bedarf also der Bereitschaft, das Risiko zu tragen, falsch zu liegen, und den Willen, die zwangsläufigen Nachteile zu tolerieren. Je mehr Ängste, Schuldgefühle, Schamgefühle bei den Entscheidern im Spiel sind, desto schwerer werden Entscheidungen und desto mehr Absicherung kommt ins Spiel. Darum ist die Beschäftigung mit solchen Affekten für Entscheider sehr sinnvoll. Umgekehrt kann man dadurch, dass man wahrnimmt „Ich bin es, der die Entscheidung entscheidet (und nicht eine äußere Begründung)“ entdecken, dass man selbst sein Leben gestaltet. (Siehe dazu auch den sehenswerten Beitrag von Ruth Chang)



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