Analyse von Ersatzgefühlen

Ersatzgefühle haben die Funktion, einen anderen Impuls, ein anderes Gefühl aus der Selbstwahrnehmung fernzuhalten. Ob ein Gefühl eine solche Funktion hat, lässt sich als Berater anhand einiger Fragen überprüfen: Habe ich dieses Gefühl oder die Verhaltensweise beim Klienten schon öfter erlebt? (Je öfter, desto wahrscheinlicher ein Ersatzgefühl). Erscheint mir das Gefühl oder die Verhaltensweise situationsangepasst? …

Plausibilitätsprinzip

Jedes Problem ist eine Lösung (für etwas noch nicht Bekanntes im Klienten). Aber nicht jedes problematische Verhalten oder Gefühl ist eine Lösung für die gegenwärtige Situation. Dies ist deshalb wichtig, weil die  Frage „Wofür ist es denn gut?“ sogar in die Alltagskommunikation Eingang gefunden hat. Wird hier nicht differenziert, dann kann sie zynisch wirken. Wer …

Verstehenszirkel

Jedes Verstehen beginnt immer wieder neu. Denn Verstehen verändert den psychischen Prozess und bedarf daher neuen Verstehens. Etwas, das bislang plausibel war, kann unplausibel werden und bedarf einer neuen Verplausibilisierung oder darf im Unplausiblen verweilen. Konkret: Jemand wünscht sich inbrünstig, endlich vom Vater für seinen beruflichen Erfolg anerkannt zu werden (plausibel, aber dysfunktional). Er versteht, …

Reframing

Es gibt nicht ein richtiges Verstehen. Verstehen heißt, etwas einen Sinn verleihen, es sich plausibel machen oder es in der Menge des Unplausiblen – wer kann Hieroglyphen lesen? – liegen zu lassen. Reframing bezeichnet die Beratungstechnik, dem Klienten eine andere Weise des Verstehens anzubieten. Man nutzt also den Leitprozess „Verstehen“. Der Klient kann wählen, ob …

Nutzen von Neugier

Der amerikanische Psychotherapeut Almaas spricht von der ‚Flamme der Neugier‘. Damit ist gemeint, dass Neugier auf sich selbst und die Welt zu wecken, eine hoch wirksame Technik sein kann. Verstehen, was die Welt (und einen selbst) im Innersten zusammenhält, war schon bei Faust ein zentrales Motiv. Erloschene Neugier ist ein oft unterschätztes Symptom einer milden …

Persönliche Fähigkeiten erkennen

Wer sieht, dass andere etwas tun, das sie glücklich macht, glaubt deshalb noch nicht, dass er selbst auch diese Fähigkeit hat. Das Gelingen bei anderen ist im Gegenteil für viele Menschen nur der Beweis, dass ihnen selbst etwas Wichtiges fehlt, um einem bestimmten Bedürfnis nachzugehen. „Ich freue mich immer sehr, wenn andere sich hervortun! Aber …

Erfüllbarkeit erwarten

Wer in der Wüste steht, seinen Durst spürt und sein Verlangen nach Trinken sehr ernst nimmt, dem nutzt das nichts, weil er wissen kann, dass kein Kiosk um die Ecke sein wird, bei dem man etwas kaufen kann. Menschen, die die Welt als einen Ort kennengelernt haben, in dem es keinen gibt, der schaut, wenn …

Bedürfnisbedeutung

Sofern man ein Bedürfnis wahrgenommen hat, braucht man die Fähigkeit, ihm eine Bedeutung zu geben. Das geht auch anders: „Klar, manchmal fühle ich mich einsam. Aber so wichtig ist Nähe nicht, als dass es sich lohnen würde, sich damit zu beschäftigen. Lenkt mich nur vom Job ab.“ Die Fähigkeit, sich selbst zu sagen, dass etwas …

Bedürfniswahrnehmung

Um einem Bedürfnis nachgehen zu können, muss ich es zunächst wahrnehmen. Wer von sich sagt, er kenne den Wunsch nicht, anderen Menschen nahe zu sein, der muss ihn auch nicht regulieren. Wenn etwas nicht existiert, erübrigen sich alle anderen Fragen. Dass Menschen, die Existenz bestimmter Wünsche leugnen, kommt viel häufiger vor, als man meinen möchte. …

Fixierungen und Ausschlüsse

Die sechs Grundbedürfnisse werden dann kompetent reguliert, wenn alle Bedürfnisse sein dürfen (aber nicht müssen) und man jederzeit von dem einen auf das gegenteilige Bedürfnis wechseln kann (aber nicht muss). Imponieren Klienten dadurch, dass sie auf einen Bedürfnispol fixiert sind („Hauptsache, ich bin nie allein!“, „Ich gehe immer gleich, wenn ich mich eingeschränkt fühle!“) oder andere Bedürfnisse überhaupt …