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Selbststeuerung (Psyche)

Zum Wohlbefinden und zur sozialen Akzeptanz eines Menschen gehört ganz wesentlich die Fähigkeit, sich selbst steuern zu können. Dort wo die Psychodynamik ohne Steuerung abläuft – also wenn jemand nicht mehr kontrollieren kann, was er tut, denkt, fühlt, hört, spricht, wahrnimmt – dann spricht man üblicherweise davon, jemand sei verrückt bzw. hätte ein Psychose. Menschen brauchen eine Steuerungsmöglichkeit. Diese wird in vielen psychologischen Konzepten mit dem Begriff Selbst bezeichnet. Wir nutzen das Wort, meinen aber etwas anderes in der Sache.

Wir denken, dass diese Steuerung in einem Zusammenspiel einer ganzen Reihe von inneren Prozessen entsteht. Dieses Zusammenspiel als feste Instanz (DAS Selbst) zu konzipieren, erscheint uns keine hilfreiche Metapher. Es kopiert ein ungünstiges hierarchisches Modell der Steuerung (Papst, König, Kaiser) in den Innenraum der Psyche. Hierarchische Konzepte entsprechen allerdings weder dem, was man über die Funktionsweise des Gehirns und der Wahrnehmungsverarbeitung weiß, noch sind solche Konzepte leistungsfähig genug, hohe Komplexität zu bewältigen. Und sie stehen in Widerspruch zu grundlegenden differenztheoretischen Annahmen dieses Ansatzes. Für den Zweck dieser Theoriedarstellung stellen wir die Psychodynamik so dar, dass sie als ein Zusammenwirken von 8 Leitunterscheidungen sichtbar wird, die eine dynamische Form der Stabilität und der Steuerung ermöglichen. Wie diese dynamische Stabilität erzeugt wird, sich verändern lässt und worin Dysfunktionalitäten bestehen, ist Gegenstand der Metatheorie psychischer Veränderung.



One Comment

  1. Ein interessanter Ansatz, der sich auch in der angewandten psychiatrischen Pädagogik wieder
    findet. So werden z.B in psychosomatischen Rehakliniken mit den Patienten Übungen gemacht, um die Selbststeuerung zu verbessern. Dies ist vorallem für Depressionspatienten von großer Bedeutung, führt eine Depression im Laufe ihres Fortschreitens doch dazu, dass genau diese Fähigkeit, sich selbst emotional und kognitiv steuern zu können, mehr und mehr verloren geht.
    Diesen Selbstentfremdungsprozess umzukehren setzt voraus, dass der Patient begreift und verinnerlicht, dass er oder sein Selbst nicht identisch mit seinen Gedanken und Gefühlen ist, sondern, dass er die Fähigkeit zur Selbststeuerung hat.
    In der Meditation und anderen Achtsamkeitsbasierten Techniken lernen wir, dass wir uns bewusst von unseren Gedanken distanzieren können, sie von außen, also von einer Methaebene aus, betrachten könne. Haben wir dies einmal verinnerlicht kann auch der nächste Schritt zu einer verbesserten Selbststeuerung gelingen.
    In meiner Arbeit als Supervisor mit Teams, ist es für mich von großer Bedeutung die Selbststeuerungsfähigkeit eines Teams im Laufe eines supervisorischen Prozesses im Auge zu behalten.

    Wenn immer ich wahrnehme, dass die Homöostase eines Teams, das Gleichgewicht in einer sozialen Gruppe ins Wanken gerät oder sagen wir, die Selbststeuerungsfähigkeit eines Teams durch gewisse Faktoren gehemmt ist, begebe ich mich mit dem zu supervidierenden Team auf die Suche.
    Ziel ist dabei, die konstruktive und effektive Zusammenarbeit aller im Team befindlichen Individuen wieder zu ermöglichen, also die Selbststeuerungsfähigkeit des Teams wieder herzustellen.
    Dabei bediene ich mich methodisch u.a. in der Systemik.

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