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Systemische Methode

Systemisch ist mittlerweile eine nichtssagende Bezeichnung geworden, da sich zu viel Unterschiedliches, Inkompatibles und Oberflächliches darunter verbirgt. Wir bezeichnen eine bestimmte Arbeitsform dennoch als systemisch, weil wir diese Methode als unabdingbar erachten. Was verstehen wir darunter?
Systemisch (nicht systemtheoretisch!) ist ein Vorgehen, welches drei Faktoren berücksichtigt:
1. Man rechnet mit zirkulären Kausalitäten, also mit dem Phänomen, dass Systeme – egal ob Personen, Gruppen, Organisationen – eine Umwelt „erschaffen“, die sie als Veranlassung für das eigene Verhalten ansehen. Die Frau nörgelt, weil der Mann ins Wirtshaus geht und der Mann geht dorthin, weil die Frau nörgelt. Darum darf man im Coaching nie glauben, dass der Coachee Opfer von Umständen ist.
2. Man rechnet damit, dass jedes System durch eine Erwartung an die Umwelt gekennzeichnet ist, welche sich immer wieder aufs Neue bestätigt, in dem sie das ausfiltert, was der eigenen Erwartung entspricht. Darum ist im Coaching immer davon auszugehen, dass die Welt nicht nur so ist, wie der Coachee sie schildert.
3. Der dritte wesentliche Punkt des systemischen Arbeitens ist, dass man die Beschreibung vom Beschriebenen unterscheidet: Die Landkarte ist nicht die Landschaft. Die Landkarte vereinfacht die Landschaft immer. Daher gibt es in der realen Welt immer viel mehr Widersprüche, Unklarheiten und Rätsel, als in den Beschreibungen der Welt, die ja versuchen Klarheit, Richtigkeit und Wahrheit zu erzeugen. Deshalb ist es für die systemische Methode so zentral, immer damit zu rechnen, dass das Rätsel und der Widerspruch das Normale ist. Jeder Fanatismmus, jede Ideologie und jeder Wahrheitsanspruch verwechselt die eigene Landkarte mit der Landschaft. Im Coaching bedeutet dies, dass die Kunst der „sicheren Unsicherheit“ im Arbeiten, ein Grundpfeiler der systemischen Kompetenz ist.



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