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Psychisches System

Das psychische System wird hier verstanden als ein Gewebe von Entscheidungsvorgängen, nicht – wie in weiten Teilen der Psychologie üblich – als vorhandenes Ding (Das Selbst).

Das psychische System „existiert“ solange und dadurch, dass es durch seine ineinandergreifenden Prozesse einen Unterschied zwischen sich und dem Rest der Welt herstellt. Üblicherweise erlebt man seine Gedanken und seine Gefühle und seine Wahrnehmung eben als die seinen. Menschen können nicht im Kopf eines anderen denken, oder im Herzen eines anderen fühlen oder mit den Augen von anderen sehen. Das psychische System ist ein Vorgang, es passiert. Es gibt im Licht dieser Theorie kein Selbst, welches einfach vorhanden ist (etwa ein wahres Selbst) oder das man finden könnte (Selbst-Findung), sondern eine Verwebung paralleler Prozesse, die miteinander in Resonanz gehen und die sich durch ihre geschichtlichen Erfahrungen immer mehr anreichern (= Struktur).

„Die“ Psyche lebt von Moment zu Moment und passt sich nach innen wie nach außen der jeweiligen Situation (besser oder schlechter) an. Daraus ergibt sich, dass psychische Systeme relational  (= bezogen auf einen Kontext) aufzufassen sind: Sie sind nicht überall und gegen jedermann und zu allen Zeiten gleich, sondern können sehr verschieden ihre innere Dynamik organisieren. Zuhause so, im Büro anders, beim Sport noch wieder anders. Diese seelische Dynamik lässt sich metatheoretisch – also viele unterschiedliche Theoriebildungen integrierend – beschreiben als eine Abfolge von kontinuierlichen Entscheidungen. Diese verdichten sich durch geschichtliche Erfahrungen zu Mustern, hier auch Entscheidungsprämissen genannt, die dem psychischen System zu Struktur verhelfen. Es muss nicht immer alles neu entschieden werden, sondern es gibt Routinen und Selbstverständlichkeiten. Diese Prozesse und Strukturen haben die Form von acht Selbstorganisationsfoki , die alle einander beeinflussen, in einander verwoben sind und in Resonanz zu einander stehen. (Siehe Psychodynamik und Leitprozesse der Psyche).



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