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Körper – Seele – Soziales

Die prägende Aktivität sozialer Systeme ist Kommunikation, so wie Denken und Wahrnehmen die alleinige Aktivität psychischer Systeme und Stoffwechsel die alleinige Aktivität organismischer Systeme sind.

So wenig wie die Psyche Verdauung haben kann, so wenig kann sie kommunizieren. Die Psyche kann Wahrnehmungen verarbeiten (= Erleben und Denken), jedoch kann kein Mensch im Körper eines anderen denken oder fühlen. Menschen können alleine sprechen – damit aber Kommunikation zustande kommen kann, braucht es mindestens zwei! Das heißt, dass Kommunikation ein Prozess eines sozialen Systems ist und keine psychische Phänomen. Das soziale Geschehen hat somit eine eigene Handlungslogik und kann nicht durch Zusammenzählen und Zusammenwirken der Menschen und ihrer Körper verstanden werden.

Diese Art von Systemtheorie im Anschluss an N.Luhmann erlaubt es, die Einheit von Differenzen zu konzeptualisieren. Man kann also etwas trennen und es genau dadurch in seiner Einheit erfassen. Dieser merkwürdige Satz ist Basis aller Gedanken auf diesem Portal. Man muss Körper, Seele und Soziales theoretisch trennen und verbinden, damit eine Grundlage für das Verstehen von Veränderungsprozessen gegeben ist. Nur Erleben kann Erleben verändern, nur Kommunikation die Kommunikation und nur Stoffwechsel den Stoffwechsel. Diese Metatheorie ist auch der Versuch, diesen Grundsatz verständlich zu machen.



2 Comments

  1. Jürgen

    „Das heißt, dass Kommunikation ein Prozess eines sozialen Systems ist und kein psychisches Phänomen. Das soziale Geschehen hat somit eine eigene Handlungslogik und kann nicht durch Zusammenzählen und Zusammenwirken der Menschen und ihrer Körper verstanden werden.“

    Ich frage mich vor diesem metatheoretischen Hintergrund, in wieweit Organisationsaufstellungen (Systemische Aufstellungsarbeit), die vornehmlich auf Kommunikationen und Entscheidungsmuster fokussieren, nicht adäquater die Dynamiken auf dieser Systemebene abbilden als – wie es häufig auch geschieht – mit Gefühls- und Beziehungsrepräsentanzen zwischen Mitarbeitern, Führungskräften und Teams zu arbeiten. Die Gefühls- und Beziehungsrepräsentanzen bergen auch die Gefahr, dass zu viel „Psychodynamik“ ins Spiel kommt bzw. überlagert wird.

    Mir geht es um die Frage, ob Aufstellungsarbeit die Kommunikations- und Entscheidungsmuster überhaupt beschreiben kann und wenn ja, wie unterscheidet sich diese von der Beschreibung eines beobachtenden Organisations-Beraters, wo ergeben sich komplementäre Beschreibungen, wo Widersprüche und Gemeinsamkeiten.

    • Klaus Eidenschink

      Mit dieser Frage ist ein weites Feld aufgezogen. Im Grundsatz reicht das in dem hier noch nicht veröffentlichten Bereich der „Metadynamik“, die genau das Zusammenspiel von Psyche, Team und Organisation mit den jeweiligen Leitprozessen zu beschreiben und erklären versuchen wird.
      Aufstellungsarbeit und -konzepte gibt es sehr unterschiedliche. Dementsprechend unterschiedlich sind sie auch einzuordnen. Wenn Aufstellungsarbeit so gemacht wird, dass latente Kommunikationsmuster durch die Reduktion des Sichtbaren auf Ort und Richtung wahrnehmbar gemacht werden, können sie sehr nützlich sein. Auch deshalb, weil alle – nicht nur Berater – über Wahrnehmungen kommunizieren können und somit neue Information in die Organisation einfließt. Dienen Aufstellungen dem Zweck über die Aufstellung als solche Veränderungen zu versprechen, sind sie mit großer Vorsicht zu genießen.

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