Eigendynamik des Widerspruchs

Wie stabilisiert sich Widerspruch durch Rückbezüglichkeit? Um dies zu verstehen, muss man sich ein paradoxiefähiges Denken erarbeiten. Ich gehe ein Beispiel diesbezüglich Schritt für Schritt durch und bitte die Leser, die denkerische Anstrengung ggf. mitzumachen. Person A: „Könntest Du die Musik leiser stellen?“; Person B: „Jetzt soll ich mich schon wieder nach Dir richten! Kann …

Regulationskompetenz „Verabsolutiert“

Konfliktregulation braucht den Pol „Verabsolutiert“. Verabsolutiert muss man sein, um Standpunkte mit Kraft, Eindeutigkeit und Entschlossenheit aufzuladen. Das geht oft nicht, ohne diese Standpunkte mit Bewertungen zu versehen, mit Worten wie „gut“ und „richtig“ zu etikettieren. Ob man das tut, lässt sich mit Hilfe dieser Frage reflektieren: Habe starke sachliche Überzeugungen für die ich entschlossen …

Theoriebezüge zur Konfliktdynamik

In die Ausformung dieser metatheoretischen Überlegungen zur Dynamik von Konflikten sind zunächst die Konzepte aus Psycho-, Team- und Organisationsdynamik eingeflossen. Die Systemtheorie N.Luhmanns bildet den gemeinsamen Boden. Für das Verständnis der asymmetrische Struktur von Konflikten sind die Analysen und Herleitungen von F. Glasl für uns besonders erhellend, für die systemtheoretische Grundlegung F.B. Simon und für …

Bewertungen sind Entscheidungen

Ein wesentliches Mittel, um sich auf Standpunkte festzulegen, die „nicht zur Debatte“ stehen, sind Bewertungen. Was aber sind Bewertungen? Bewertungen sind Wahlvorgänge: „Das ist gut, das ist schön, das ist richtig, das ist lustvoll…“ – also will man das! Bewertungen sind Entscheidungen und ermöglichen so Handlungen. Sie ordnen die Welt in erwünscht und unerwünscht. Sie …

Bewertungen und Identität

Bewertungen leisten psychologisch und sozialpsychologisch einen hohen Beitrag zur Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ bzw. „Wer sind wir?“. Einfach gesagt: Wer weiß und sagen kann, was gut und richtig ist, kann damit seelische und soziale Stabilität erzeugen. Damit haben wir den wichtigsten Grund gefunden, warum sich Menschen und Gruppen so gut eignen, um …

Funktion des Pols „Verabsolutiert“

Damit sich prägnante Identitäten bilden oder sich verändern können, sind Konflikte häufig unabdingbar. Anders ändern Menschen und Gruppen oft nicht ihr Selbstverständnis. Die Funktion des Pols „verabsolutiert“ ist es also, den eigenen Bewertungen eine identitätsnahe Bedeutung zu geben und damit eine Partei mit dem – subjektiven – Recht auszustatten, sich gegen Einflussnahmen von außen abzugrenzen …

Funktion des Pols „Unklar“

Sucht man nach der Funktion des Pols „unklar“, dann ist das Wichtigste, dass es für Konfliktmilderung nötig ist, sich von eigenen Bewertungen distanzieren zu können und in anderen Parteien mehr zu sehen als die Bewertungen, mit denen sie identifiziert sind. Im buddhistischen Kontext nennt man diese Art der Identifizierung auch „Anhaften“. Das Christentum hat mit …

Ausreden lassen

Jeder kennt die Situationen, in denen es schwer fällt, andere ausreden zu lassen. Nicht wenige davon sind konflikthaft oder drohen es zu werden. „Bitte ausreden lassen!“ ist in eine der Regeln, die Konflikte dämpft. Stellt es doch sicher, dass alle Parteien sich Gesprächsbeitrag um Gesprächsbeitrag überlegen können, ob sie mit Zustimmung oder Widerspruch antworten. Auch …