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Bewertungen sind Entscheidungen

Bewertungen sind Entscheidungen

Ein wesentliches Mittel, um sich auf Standpunkte festzulegen, die „nicht zur Debatte“ stehen, sind Bewertungen.

Was aber sind Bewertungen? Bewertungen sind Wahlvorgänge: „Das ist gut, das ist schön, das ist richtig, das ist lustvoll…“ – also will man das! Bewertungen sind Entscheidungen und ermöglichen so Handlungen. Sie ordnen die Welt in erwünscht und unerwünscht. Sie vernichten also Freiheit zugunsten klarer Orientierung. Bewertungen sind immer auch anders möglich und sind damit immer auch „individuell“. Jede Person, jede Gruppe, jedes andere soziale System hat eigene Bewertungen. Das kann natürlich auch bedeuten, dass man sich entscheidet, die Bewertungen der anderen zu übernehmen. Autoritäten aller Art bieten sich hier als Bewertungsspender an: Eltern, Lehrerinnen, Priester, Trainer, Wissenschaftlerinnen, oder – abstrahierter – die Tradition, die Kirche, die Sippe, die Wissenschaft, die Monarchie, die Rebellion, die Erfahrung, die Kultur, die Nation, die Rasse etc.! Aber wie auch immer die Bewertung zustande kommt, sie bleibt eine Wahl. Selbst Schmerz und Tod, was die meisten Menschen als Unlusterfahrungen wohl schlecht finden und deshalb meiden würden, sind für Märtyrerinnen, Soldaten, Attentäter, Eltern, die ihre Kinder schützen wollen o.ä. etwas, das sie wählen, weil sie es als „richtig“ ansehen.

Nun gibt es viele Möglichkeiten etwas zu bewerten. Das kann mit Inanspruchnahme von Argumenten (richtig/falsch), von Gefühlen (angenehm/unangenehm), von Moral (gut/böse), von Ästhetik (schön/hässlich) oder von Erfahrung (nützlich/schädlich) geschehen. All das ist für soziales Zusammenleben und psychische Selbstregulation unabdingbar.