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Funktion des Pols „Unklar“

Sucht man nach der Funktion des Pols „unklar“, dann ist das Wichtigste, dass es für Konfliktmilderung nötig ist, sich von eigenen Bewertungen distanzieren zu können und in anderen Parteien mehr zu sehen als die Bewertungen, mit denen sie identifiziert sind. Im buddhistischen Kontext nennt man diese Art der Identifizierung auch „Anhaften“. Das Christentum hat mit dem Begriff „Feindesliebe“ ebenfalls ein gutes Gespür dafür gehabt, dass die ausschließliche Liebe der eigenen Position (=Person) sich ungünstig auf die Regulationskompetenz in Konflikten auswirkt. Beide oder mehrere Bewertungen als möglich und wertvoll ansehen zu können, ist unabdingbar. Aber dann wird es eben „unklar“, welche und wessen Bewertungen wie einzuordnen sind. Die Unsicherheit, die damit einhergeht, ist vielen Menschen unangenehm. Ambiguitätstoleranz ist der Fachbegriff für diese Fähigkeit mit Bewertungsunklarheit gut zurechtzukommen.