Fördern

Regulation entsteht durch Fördern und Hemmen. Dieser einfache kybernetische Grundsatz gilt auch für den Umgang mit Bedürfnissen. Menschen entscheiden sich permanent (und müssen dies auch), welches Bedürfnis sie gerade in den Vordergrund bringen wollen, welches sie mit Energie und Entschlossenheit besetzen, und was sie in sich gerade zurückstellen, worauf sie verzichten oder was sie aufschieben …

Selbstunterbrechung

Wenn Menschen ihre inneren Prozesse unterbrechen (= Selbstunterbrechung), braucht es dafür ein Motiv. Warum kämpft jemand die aufsteigenden Tränen hinunter? Warum verbirgt jemand eine zart sichtbar werdende Unsicherheit? Warum tut jemand so, als ob er sich nicht ärgern würde? Das sind alltägliche Situationen, an die man gewöhnt ist. Durch das Unterbrechen bleibt das Erleben diffuser, …

Ersatzgefühle

Ersatzgefühle haben eine gänzlich andere Funktion als „normale“ Gefühle. Sie unterscheiden sich im subjektiven Erleben zwar nicht von Grundgefühlen, doch ihr Erleben und Ausdruck bewirken keine Beruhigung und Befriedigung. Sogenannte „Maschengefühle“ und die dazugehörigen Verhaltensweisen werden in frühen Beziehungen gelernt. Entwicklungsmäßig gesehen ist es ein natürliches Bedürfnis, in einer bestimmten Situation das dazu passende Gefühl …

Selbstunterstützung

Selbstunterstützung meint die Fähigkeit, das, was an Impulsen im Innenleben aufkommt, akzeptierend, fürsorglich, kritisch, lebendig und frei zu befördern. Eine wichtige Orientierung für notwendige Interventionen ist daher die Frage: „Wo ist ein Mangel an Selbstunterstützung beim Klienten?“ Dieser kann sich darauf beziehen, dass jemand sich etwas nicht deutlicher spüren lassen kann, dass er nicht darüber …

Somatische Marker

Der Begriff des somatischen Markers stammt von dem Neurowissenschaftler António Damasio. Er sagt, dass alle Erfahrungen, die ein Mensch in Laufe seines Lebens macht, in einem emotionalen Erfahrungsgedächtnis gespeichert sind. Jede dieser Erfahrungen wird mit einer einfachen Bewertung „positiv, anstreben“ oder „negativ, vermeiden“ versehen und gespeichert. Dieses Erfahrungsgedächtnis teilt sich besonders über körperliches Erleben mit, …

Kontakt und Selbstwahrnehmung

Merkmal eines prägnanten Erlebens ist immer, dass es im Kontakt stattfinden kann. Kontakt ist aufeinander bezogene Bewusstheit. Im Kontakt mit anderen Menschen lernen wir, was sich lohnt und was gefährlich ist, von sich zu zeigen, und damit auf andere zuzugehen. Deshalb ist Selbststeuerung auch immer Ergebnis der frühen Beziehungserfahrungen, auch wenn diese Kausalität einem nicht …

Spannungstoleranz

Wer sich umfassend wahrnehmen möchte, der braucht insbesondere auch die Fähigkeit zur Spannungstoleranz. Die inneren Prozesse sind nie nur harmonisch, Bedürfnisse stehen sich immer wechselseitig im Weg, Interessenslagen im sozialen Feld sind oft mit Konflikten angereichert, Wünsche aus diversen Gründen nicht oder nicht gleich realisierbar – all das bringt innere Spannung mit sich. Um diese …

Unangenehme Gefühle

Für die meisten Menschen ist es völlig selbstverständlich, dass angenehme Gefühle anzustreben und unangenehme zu meiden sind. Unser Organismus ist so gebaut, dass er versucht Unlust zu meiden. Das ist angenehm und es gibt Stabilität. Im Hinblick auf Veränderung ist dieses Prinzip jedoch ungünstig. Jede Einschränkung an Wohlbefinden beruht auf einem inneren Konflikt zwischen einem Bedürfnis …

Implizites Gedächtnis

Selbstwahrnehmung kann an einer bestimmten Stelle trügerisch sein. Wenn Gedächtnisinhalte des impliziten Gedächtnisses abgerufen werden, wissen die Hirnforscher, liefern diese keinen zeitlichen Bezug mit, sondern sind einfach da. Eine Angst, die sich im impliziten Gedächtnis als Folge früher Erfahrungen abgespeichert hat, fühlt sich daher hundertprozentig so an, als sei sie auf die Gegenwart und nicht …

Funktion von Selbstwahrnehmung

Der psychische Leitprozess, was man prägnant oder diffus wahrnehmen will, kann vom psychischen System funktional oder dysfunktional erledigt werden. Als funktional sehen wir es an, wenn eine Person die freie Wahl hat, das deutlich und klar in sich aufkommen zu lassen und wahrzunehmen, was für ihre Bedürfnisregulation und für eine kontaktvolle Beziehungsgestaltung nötig ist. Man …