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Implizites Gedächtnis

Selbstwahrnehmung kann an einer bestimmten Stelle trügerisch sein. Wenn Gedächtnisinhalte des impliziten Gedächtnisses abgerufen werden, wissen die Hirnforscher, liefern diese keinen zeitlichen Bezug mit, sondern sind einfach da. Eine Angst, die sich im impliziten Gedächtnis als Folge früher Erfahrungen abgespeichert hat, fühlt sich daher hundertprozentig so an, als sei sie auf die Gegenwart und nicht auf die Vergangenheit bezogen: „Ich weiß, dass es gefährlich ist, mich Ihnen so auszuliefern. Ich bin da ganz sicher!“ Für den Berater als Gegenüber ist vollkommen klar, dass es in diesem Moment im Kontakt mit ihm keine Gefahr für den Klienten gäbe, wenn dieser sich verletztlich und bedürftig zeigen würde. Für den Klienten hingegen ist in seinem Erleben das Gegenteil absolut spürbar. Diese verdichteten und geronnenen Erfahrungen aus vergangener Zeit, die im Gedächtnis gespeichert und aktiviert sind, lassen sich nicht durch Argumente oder gutes Zureden aus der Welt schaffen. Allerdings lassen sich neue und bessere Erfahrungen machen. Diese können in einem ersten Veränderungsschritt dem Klienten innerlich eine neu erfahrene Alternative zur Verfügung stellen. Darum braucht der Klient Unterstützung, sich trotz der subjektiv erlebten Gewissheit von Gefahr auf die gegenwärtige Erfahrung einzulassen. Gleichzeitig gilt es, ein Kontaktangebot zu machen, das den Klienten (auf der Ebene einer anderen Selbstrepräsentanz) erreicht. Dazu braucht es eine hohe Kompetenz, Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit, Autorität, Akzeptanz und Zugewandtsein auszustrahlen. Sonst stagniert der Veränderungsprozess beim Klienten und er fällt in die alten Angstbearbeitungsmuster zurück.



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