Erfahrung der Organisation

In der alten griechischen Philosophie wurde Erfahrung als Kenntnis des Besonderen (im Gegensatz zu Wissen als Kenntnis des Allgemeinen) verstanden. Erfahrung hat ein System, wenn es Vergangenheit hat, also speichern und erinnern kann. So entstehen Gewohnheiten und vermeintlich Selbstverständliches („So ist die Welt!“ = So funktioniert Einkauf oder so macht man Vertrieb oder so geht man mit Mitarbeitern …

Wissen und Unsicherheit

Wer weiß, lernt nicht. Organisationen, die wissen, auch nicht! Wissen reduziert also Irritationskompetenz, weil man Antworten hat und glaubt sich Fragen („Könnte es auch anders sein?“) sparen zu können. Der Anlass für Lernen ist Unsicherheit! Darum ist in dynamischen und veränderungsreichen Umwelten Unsicherheitsbereitschaft und -toleranz und nicht Wissen das wichtigste Feature. In den meisten Organisationen …

Irritationskompetenz

Der Leitprozess Vergangenheitsbehandlung wird immer dann aktiviert, wenn die Organisation einer Irritation ausgesetzt ist. Irritiert werden kann eine Organisation – wie jedes System – dann, wenn es resonanzfähig auf einen Umweltreiz ist. Aufgrund der Resonanz muss die Organisation reagieren, indem sie sich mit Varianten der Bearbeitung versorgt („Weiter so oder anders?“), dann entscheidet und schließlich die …

Spieltheorie

Die Spieltheorie hat mittlerweile eine fast unüberschaubare Vielfalt von Ansätzen produziert, die von Konfliktforschung, Kooperationsforschung, Verhandlungstheorien und Wettbewerbstheorien benutzt und gefordert werden. Dabei setzt der Mainstream der Varianten interessanterweise an im Alltag  unzutreffenden Voraussetzungen auf (Überschaubare Anzahl von „Spielern“ und „Regeln“; endliche Zeit des „Spiels“; rationales Vorgehen der Akteure u.a.m.). Sogenannte Populationsspiele oder die evolutionäre …

Kooperationsorientierung

Was sind die Mechanismen, die das Interesse von Personen, Teams und Organisation in Richtung Kooperation beeinflussen? Kooperation bezeichnen wir hier als die Einbeziehung des Fremdpols in die Interessenverfolgung eines Systems. Der systemtheoretische Ort für diese Frage ist, dass alles und jeder damit klar kommen muss, mit der Unwägbarkeit der Umwelt zurecht zu kommen. Jedes System …

Konkurrenzorientierung

Konkurrenzorientierung – im Gegensatz zu Kooperationsorientierung – meint hier die Entscheidung oder das Entscheidungsmuster, in der sich ein System auf sich selbst bezieht und Koppelungen mit der Umwelt als nachrangig einstuft. Das ist bei Personen, Teams und Organisationen zu beobachten. Unter welchen Umständen wird diese Orientierung aktivierst bzw. ausgebildet? Jedes System ist in einer Abhängigkeit von …

Lug und Trug

In Organisationen wird von den u.a. Mitgliedern erwartet, dass sie getroffenen Entscheidungen zustimmen, dass sie nötige Informationen weitergeben, dass sie Zusagen einhalten und Fehler offen legen. Würden jedoch alle Mitarbeiter den genannten Erwartung grundsätzlich Folge leisten, dann könnten Entscheidungen nicht mehr umgangen oder klug adaptiert werden, würde Informationsrückhalt nicht von unteren Hierarchieebenen zur klugen Steuerung …

Gegengeschäfte mit Ausnahmen

Eine Hand wäscht die andere – so lautet ein bekannter Spruch zu diesem organisationalen Aspekt der Gegenwartsbehandlung. Jenseits der formalen Prozesse erhalten sich Organisationen ihre Flexibilität und Reaktionsbereitschaft auf ungewöhnliche Situationen, indem es eine Art Nebenwährung gibt: Rollen- und Funktionsträger ermöglichen einander Entscheidungs- und Handlungsspielräume, indem sie es auf informelle Anfragen von anderen „nicht so genau …

Singularität und Wiederholung

Es ist hier nicht der Raum, um der Frage nachzugehen, ob es überhaupt so etwas wie Wiederholung gibt oder nicht vielmehr alles singulär, einzigartig ist. Gleichwohl müssen Organisationen diese philosophische Frage in der täglichen Praxis lösen, da sie allgemeine Regeln wiederholt auf singuläre Situationen anwenden müssen. Eine pragmatische Handhabung des Problems besteht darin, jede Anwendung …

Formale und informelle Regeln

Der Leitprozess Gegenwartsbehandlung findet auf zwei Bühnen statt: Auf der formalen und der informellen Bühne der Organisation.  Eine formale Regel ist in einer Organisationen das, was aufgeschrieben und definiert ist (beim Sport etwa die Regeln des Spiels). Informelle Regeln sind all das, was dauerhaft Relevanz, Einfluss und Wirksamkeit im Alltag hat und dessen Beachtung kontinuierlich erwartet …