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Lug und Trug

In Organisationen wird von den u.a. Mitgliedern erwartet,

  1. dass sie getroffenen Entscheidungen zustimmen,
  2. dass sie nötige Informationen weitergeben,
  3. dass sie Zusagen einhalten und
  4. Fehler offen legen.

Würden jedoch alle Mitarbeiter den genannten Erwartung grundsätzlich Folge leisten, dann

  1. könnten Entscheidungen nicht mehr umgangen oder klug adaptiert werden,
  2. würde Informationsrückhalt nicht von unteren Hierarchieebenen zur klugen Steuerung der Chefs eingesetzt werden können,
  3. würden Zusagen zur Zwangsjacke und Selbstfesselung verkommen, wenn der Dialog darüber nicht mehr erreichbar ist, und
  4. Fehler würden ständige Aufmerksamkeit erregen und damit auch dort Vertrauen unterminieren, wo dies durch geheimes Verbessern gar nicht nötig wäre.

Kurzum: Jede Organisation würde ohne Lug und Trug sofort schlechter oder gar nicht mehr funktionieren. Daher gilt auch hier, dass man das Gute im Schlechten genauso sehen können muss, wie das Schlechte im Guten. Jedes Vertrauen zwischen Menschen und in sozialen Systemen würde sofort zusammenbrechen, wenn vollständige Transparenz, absolute Ehrlichkeit und restlose Offenheit praktiziert werden würde. Welche Freundschaft, welche Beziehung würde es überleben, wenn der andere alles wüsste, was man je über ihn gedacht und gefühlt hat? So gesehen sind Lug und Trug wichtige Elemente, die soziales Zusammenleben ermöglichen. Und wie bei allen Phänomen ist die Lösung nicht Moral oder moralischer Appel, sondern die Bereitschaft genau zu untersuchen, in welcher Hinsicht Intransparenz oder Beschönigung von Verhältnissen wem oder was dienlich sind bzw. zum Schaden gereichen.