Du bist hier: Start

Leitprozess Gegenwartsbehandlung

Der Prozess des Organisierens (= Organisation) entscheidet auch über seine Form, indem er einerseits klare, verbindliche und allgemeine Regeln setzen muss und andererseits situativ und spezifisch den jeweiligen gegenwärtigen Umständen gerecht werden muss. Die Leitfrage, die eine Antwort sucht, ist: „Wird eine allgemeine Regel angewandt oder wird eine Ausnahme gemacht, welche besser zur gegenwärtigen Situation passt?“

Wäre eine Organisation nur regelkonform, würde sie sofort zusammenbrechen, da immer Situationen vorstellbar sind, in denen es falsch oder gar fatal wäre, die Regel zu beachten. Genausowenig kann immer nur situativ entschieden werden, da dies eine Organisation komplett überlasten oder ins Chaos stürzen würde (jeder generiert eigene Formulare, Einstellungsprozesse oder Bestellvorgänge). Regelbrechen ist demnach notwendig, damit Regeln hilfreich sein können! Und – Regeln müssen Ausnahmen begrenzen, damit sie ihre Gültigkeit bewahren.

Aus eben diesem Grund entwickelt sich ein Neben- und Ineinander von formaler (= durch Regeln beschriebener) Organisation und informeller (= vor Ort gelebter) Organisation. Letztere zeichnet sich nachgerade dadurch aus, dass Regelverletzungen, By-pass-Routinen, ‚Beziehungen‘, die Verbotenes möglich machen, ‚intelligente‘ Auslegung von Vorschriften, U-Boot-Projekte, indirekte Macht etc. einen flexiblen Umgang mit der Gegenwart ermöglichen.

Es kann letztlich keine Regeln (!) für die Mißachtung von Regeln oder die Notwendigkeit von Ausnahmen geben. Der Leitprozess Gegenwartsbehandlung besteht daher genau darin: Die Organisation entscheidet im Augenblick – mit Regeln im Hintergrund und Gewahrsein für den Moment.