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Formale Regeln

Wie stabilisieren sich Organisationen? Wie alle Systeme müssen sie für Wiederholbarkeit sorgen. Formale Regeln sind dafür ein wichtiges Mittel. Sie etablieren erwartbare (=stabile) Entscheidungen, da man sich auf formale Regeln offiziell berufen kann. Wie groß dieses (dokumentierte) Regelwerk einer Organisation ist, wie es dokumentiert ist, mit welchen Medien es arbeitet, wie den Mitarbeiter diese Regeln bekannt gemacht werden, wie Regelverstösse sanktioniert werden, welche Instanzen ihre Einhaltung überwachen, über welche gesprochen wird, worauf sie sich beziehen, wie detailliert sie sind, welche Lücken sie aufweisen, wie und von wem sie geändert werden können – all das ist ein Teil des „Fingerabdrucks“ einer Organisation.

Alle Leitprozesse arbeiten mit Regeln und können daher unter diesem Blickwinkel untersucht werden. Die klassische Vorstellung einer funktionalen Organisation (bei M. Weber) konzentriert sich auf diesen Aspekt. Zielbild ist, dass alle Regeln und die daraus resultierenden Abläufe optimiert werden können. Das Ideal ist deren reibungsloses Zusammenwirken und die Verhinderung von „Widerstand“ und irregulären Praktiken in der Organisation. Die intelligente Gestaltung der Regeln gilt als eine der Hauptaufgaben des Managements.

Metatheoretisch ist dabei insbesondere kritisch zu sehen, dass man von „nebenwirkungsfreien“ Regeln ausgeht. Jede Regel schafft aber zeitgleich zu dem, was sie löst auch einen Nachteil, sie schafft zeitgleich informelle Möglichkeiten sie zu unterlaufen oder zu adaptieren und sie kann nie überblicken, wie sie auf andere Regeln einwirkt.