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Beschuldigungen

Kommen in einem Konflikt Beschuldigungen ins Spiel, dann hat der Konflikt einen weiteren Weg gefunden, sich zu intensivieren. Wie gelingt ihm das?

Dauert ein Sachkonflikt nur lang genug und bleibt unlösbar, dann kommen meist mehr oder weniger subtile Vorwürfe ins Spiel. „Ich kann Dich nicht überzeugen. Du bist schlicht unbelehrbar!“ „Ah, jetzt kommt das wieder. Ich bin mal wieder der Sture!“ Zwei Sätze! Und schon hat sich – systemtheoretisch gesprochen – ein Selektionsverstärker gebildet. Was heißt das? Ist erstmal eine Anschuldigung im Spiel, dann ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass eine weitere Anschuldigung auftaucht. Die Auswahl (Selektion) wird wiederholt und verstärkt sich daher. Es wird erwartbar, dass Vorwurf mit Gegenvorwurf beantwortet wird.

Dabei haben Vorwürfe meist ein lineares Kausalverhältnis eingebaut. „Weil Du immer Deine Sachen liegen lässt, siehst Du wohl nur noch eine Putzfrau in mir, die hinter dir herräumt!“ Die eigenen Empfindungen sind eine Folge der Aktivitäten anderer. So versuchen sich die Konfliktparteien wechselseitig die Schuld am Konflikt und aber auch an ihren schlechten Gefühlen zuzuschieben. So entstehen Bedingungen in denen der Konflikt nicht so leicht enden kann. Denn niemand will an etwas Schuld haben! Im Versuch den schwarzen Peter der Schuld beim Gegenüber zu platzieren, verstärkt sich dieses Spiel. Der Konflikt intensiviert sich. Außer er gerät an Konfliktbeteiligte, die mit Beschuldigungen weder defensiv (Rechtfertigung) noch offensiv (Gegenvorwurf) umgehen müssen.

Auch hier gilt es die immer mögliche Funktionalität dieser Kommunikationsform mitzudenken. Dort wo stabile asymmetrische Verhältnisse aufgebrochen werden sollen, geht an Beschuldigen nichts vorbei. Denn kaum jemand der vom Status quo profitiert, wird ohne Benennung seiner Verantwortung in eine Auseinandersetzung gehen. Darum sind soziale Formen in denen dies geregelt geschehen kann, so wichtig (Gerichte, Schiedsverfahren, Tarifrunden, UN-Foren, Internationale Gerichtshöfe etc.)