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Beratungssymbiose I

Beratung kann auch stattfinden, ohne dass sich an den Entscheidungsmustern des Klienten etwas ändern wird. Das ist nicht eben selten der Fall. Wir nennen solche Beratungen ‚Beratungssymbiosen‘. Es gibt sie in zwei Ausprägungen: Form I ist daran erkennbar, dass die Klienten tun, was die Berater wollen/vorschlagen. Bei Form II ist es genau umgekehrt.

Zu dieser Variante I: Wenn Klienten tun, was die Berater wollen, definiert das Klientensystem sich selbst als in einer bestimmten Hinsicht als inkompetent und es sieht das Beratungssystem als kompetent an. Die Berater stellen meist eine Diagnose über entsprechende Defizite (oft benchmarkgetrieben). Anschließend werden Training, Nachhilfe, Expertenwissen, Know-How, Best Practice, Schulung, Konzepte, Übungen, Umorganisationen, Personalwechsel, u.v.a.m.  empfohlen. Die Klienten werden „Schüler“. So spalten sich die Klientensysteme meist in einen Teil, der das gut findet und willig ist, und in einen Teil, der die Vorschläge ablehnt und sie hintertreibt oder in offenen Widerstand geht.

In Summe herrschen eine oder mehrere der folgenden Überzeugungen:

  • Der alte Zustand hatte nur Nachteile und war unhaltbar,
  • die zu erwerbende Kompetenz wird nur Vorteile haben,
  • das Problem liegt auf einer Ebene von neuen, alternativen Verhaltensweisen (und nicht Entscheidungsprämissen),
  • das Neue ist erlernbar und wird auch gelernt werden (unabhängig von der inneren Einstellung der betroffenen Personen,
  • man tut also so, als ob bestimmte Interventionen der Berater regelmässig und verlässlich ähnliche Wirkungen beim Klienten hervorrufen,
  • es wird nur Gewinner geben,
  • es gibt keine Alternativen zu den Vorschlägen der Berater.

Der Nachteil  ist, dass das Beraterssystem wie das Klientensystem in einer solchen Symbiose nicht untersuchen, ob  das eigentliche Problem nicht ganz woanders liegt als dort, wo die Berater Experten sind. Viele Expertenberatungen sehen und sagen das auch, meist unter der Überschrift: „Eigentlich bräuchte es ganz was anderes!“ oder „Es scheitert immer an der Umsetzung!“.



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