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Zeitmatrix

Eine zentrale Ausgangsprämisse dieser Metatheorie der Veränderung ist, dass sie nicht von der Eindeutigkeit und dem Geordnetsein der Welt ausgeht, sondern von der Notwendigkeit Unterschiede zu machen, um sinnvoll auf die Welt zu reagieren. Stabilität beruht darauf, dass alles auf sich selbst zurückwirkt und damit verwickelte, paradoxe, zirkuläre Prozesse entstehen. Das gilt nicht zuletzt für so grundlegende Prozesse wie die Zeit selbst.

Wir nutzen hier hoch abstrakte zeitphilosophische Analysen (ohne sie hier darzustellen). Der wesentliche Referenzpunkt ist hier Georg Picht, einer der größten, wenn auch nicht einer der bekanntesten, Denker im letzten Jahrhundert. Seine Studien zur Verfasstheit der Zeit lassen sich verbinden mit systemtheoretischen Überlegungen Luhmanns und E.Espositos.

Für Veränderungstheorien sozialer Systeme und für das Verständnis des paradoxalen Geländes, in dem sich Entscheidungsprozesse in Organisationen bewegen, ist es hilfreich, wenn man versteht, welche Beobachtungsmatrix der Zeit sich ergibt, wenn man die Unterscheidung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf sich selbst anwendet. Es lassen sich dann zukünftige Gegenwarten von gegenwärtigen Zukünften genauso unterscheiden wie vergangene Gegenwarten von gegenwärtigen Vergangenheiten. Mit Hilfe solcher – zunächst merkwürdiger – Begriffsbildungen, kann jedoch die Zeit für Veränderungsprozesse besser analytisch genutzt werden.

Eine Theorie, welche mit der Rückbezüglichkeit der Zeit arbeitet bzw. diese ausarbeitet, fehlt bislang. Dennoch lassen sich die neun Felder einer auf sich selbst angewandten Zeitstruktur benennen. Siehe hier: Zeitmatrix (PDF). Dieses Beobachtungsschema ist für die Theorie und Praxis der Metatheorie der Veränderung besonders relevant.