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Unsicherheitsabsorption und Organisation

Man kann – mit Luhmann – sagen, dass Unsicherheit die Grundlage für die Existenz von Organisationen darstellt. Wenn man die Gegenwart kontrollieren und die Zukunft festlegen könnte und alle Menschen wie von selbst koordiniert wären – wozu und wofür gäbe es dann Organisationen? Organisationen sind daher eine Lösung für die unvermeidliche Unsicherheit der Welt.

Weil die Welt unsicher ist, müssen gemeinsame Ziele und Handlungen geschaffen werden. Dies geschieht über Kommunikation von Entscheidungen, die dann  kontrollierend oder vertrauend sozial wirksam werden. Organisationen tilgen (= absorbieren) also Unsicherheit, indem sie Vergangenheit und Zukunft festlegen: „Das war wichtig und ist in die Entscheidung eingeflossen, und darum soll nun dieser Fokus beachtet und alles andere vernachlässigt werden!“.

Unsicherheit wird über Entscheidungen reduziert, weil bestehende Möglichkeiten eingeschränkt werden („Endlich wissen wir, wie wir dran sind!“). Gleichzeitig wird neue Unsicherheit geschaffen, weil Anschlussentscheidungen nötig werden („Wer macht nun was?“). So erhält sich eine Organisation selbst.

Organisationale Entscheidungen werden zu Erwartungen an ihre Mitglieder. Wer Mitglied einer Organisation ist, dem wird vertraut und der wird darin kontrolliert, ob er die mit seiner Funktion einhergehenden Erwartungen erfüllt. Auf diese Weise entsteht die notwendige dynamische Ordnung und Koordination.