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Kontinuität in sozialen Systemen

Wie sorgen Organisationen dafür, dass sie Dauer bekommen? Was so selbstverständlich scheint – Personen, Handlungen, Waren, Gebäude, Produkte, Strukturen, Standorte und sogar Namen und Eigentümer wechseln und die Organisation behält trotzdem ihre Identität – ist so selbstverständlich doch nicht.

Aus der Sicht dieser systemtheoretischen Überlegungen entsteht Kontinuität durch Wiederholung von Entscheidungen zu besonders wichtigen Leitunterscheidungen. Damit diese nicht jeden Tag neu getroffen werden müssen, bilden sich Muster, Schemata und Prämissen aus, die eine dauerhafte Gültigkeit haben und nur in besonderen Fällen (z.B. in Beratungssituationen oder „Culture Change“) in Frage gestellt werden. Ein Teil dieser Prämissen wird durch Kontrollen überwacht (und Verhalten entsprechend belohnt oder sanktioniert). Dies gilt speziell für die Entscheidungsprämissen, die Luhmann Programme genannt hat. Programme sind auf ein Ziel hin gerichtete Muster: Wenn (die Bestellung eingeht) – dann (trage das dort ein und informiere xy)“. Vertraute Begriffe, die sich um das Konzept „Programm“ ranken, sind: Regeln, Arbeitsanweisungen, Verfahrensvorschriften, Verbote, Gebote, Gebrauchsanweisungen, Handbücher.

Kontrolle hat also für soziale Systeme eine Funktion im Hinblick auf deren Verlagerung (und nicht nur für ihre Leistungserbringung)! Das ist für Management und Organisationsberater in Veränderungsprozessen wichtig, weil eine neue Identität nicht ohne eine Veränderung von Regeln und Kontrollmechanismen zu haben ist. Änderungen an anderen Kommunikationsformen oder -kompetenzen der Organisationsmitglieder müssen daher durch Änderungen in den Leitprozessen Sozialkomplexität und Gegenwartsbehandlung begleitet werden.