Du bist hier: Start

Umgang mit Projektionen

Dysfunktional werden Projektionen immer dann, wenn sie einem die Möglichkeit rauben, Einfluss zu nehmen, wo eigentlich einer wäre und man einen haben möchte. „Das ist vollkommen ungerecht!“. Wer sich so über eine Entscheidung des Chefs empört, projiziert sein Verständnis von Gerechtigkeit in die Welt, die dementsprechend so zu sein hat. Was dabei verschwindet, ist die Frage der Funktion der Gerechtigkeit im Innenleben. Warum ist es jemanden so wichtig, gerecht (aus seiner Sicht!) behandelt zu werden? Beratungstechnisch kommt es hier darauf an, dass die Klienten sich ihre Projektionen wieder „aneignen“, also erkennen, warum die Welt (= Partner, Kinder, Eltern, Kollegen, Vorgesetzte, Mitarbeiter, Organisationen, Politik etc.) so sein soll, wie sie es wollen. Erforscht der Berater eine denkbar dysfunktionale Projektion des Klienten nicht, droht er mit dem Klienten auf der Verhaltensebene im Außen zu arbeiten, statt die Projektion als solche zu erforschen. Im obigen Beispiel also etwa ihn zu unterstützen, die fehlende Gerechtigkeit einzufordern o.ä., statt dem Klienten zu helfen, zu erkennen, wozu er eine gerechte Welt benötigt. Sonst führt das in aller Regel zu unfruchtbaren, unlösbaren sozialen Konflikten, in denen die Beteiligten mangels Selbstverantwortung den jeweiligen anderen ändern wollen. Davor sollte Beratung schützen.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.