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Systeme und Kritik

Ein ganz wesentliches Mittel, das als besonders geeignet angesehen wird, um Bestehendes zu verbessern, ist Kritik. Hierbei ist ein Implikat enthalten, welches es zu hinterfragen gilt. Denn, aus der Fähigkeit etwas zu kritisieren, folgt überhaupt nicht, dass die Kritik die Verhältnisse auch verbessern kann.
Um zu kritisieren, braucht es die Beobachtung, dass das kritisierte System etwas Wichtiges nicht berücksichtigt. Das aber ist immer möglich, da genau dies nötig ist, damit das System überhaupt existiert. Jedes System muss sich von einer Umwelt unterscheiden. Diese Umwelt ist immer komplexer als das System und damit wählt das System immer aus, womit es gekoppelt ist und worauf es in Resonanz geht. Dem System zu sagen, was es nicht sieht, geht also immer.

Wenn aber nun etwas berücksichtigt wird, was bis dato unberücksichtigt war, bedeutet das nur, dass das System nun anderes ausgewählt hat und darauf seine Antworten findet. Es bedeutet aber auch, das sich sein „blinder Fleck“ verändert hat und nicht, dass es nun keinen mehr hätte oder er kleiner geworden wäre!
Zugleich werden alte Routinen unterbrochen und neue müssen sich erst bilden. Auch hier ist Verbesserung nicht garantiert, sondern nur Veränderung.

Jedes System hat also sein „Unbewusstes“, sein „Latentes“, seinen „blinden Fleck“. Damit ist es immer kritisierbar, immer reformierbar, nie am Ende, nie perfekt, nie vernünftig, ständig am Ausloten anderer, komplexerer, differenzierter Resonanzmöglichkeiten. Kein System kann an ein Ende kommen, an dem es einen nicht mehr entwicklungsbedürftigen Zustand erreicht hat. Es kann sich nur der Welt aussetzen und testen, wie ihm das bekommt.