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Risikokalkulation

Je mehr Entscheidungsmöglichkeiten ein System hat bzw. unterstellt, um die Zukunft zu beeinflussen oder auf künftige Ereignisse anders zu reagieren, desto mehr ist es damit beschäftigt seine Risiken zu kalkulieren. Insbesondere für (Wirtschafts-)Unternehmen, die ja auf künftigen Erfolg setzen und auf ihn angewiesen sind, wird daher die Beschäftigung damit, welche Risiken eingegangen werden (Rollout des Verkaufs in einen weiteres Land?), welche gegenwärtigen Kosten dafür eingesetzt werden (Aufbau von Vertriebsstrukturen), an welchen Kriterien Erfolg abgelesen wird (Zeitpunkt für Return on Invest) und weiteres mehr, unvermeidlich. Es bilden sich folglich Normen, welche einen angemessenen Umgang mit Risiken kenntlich machen („Alles durchgerechnet? Was sagt das Risk Management?“). Aber ist es rational, Rationalität im Umgang mit Risiken zu fordern? Ist dies leistbar? Das ist schon deshalb fraglich, weil das Risiko immer vom Risikonehmer kalkuliert wird und die Gefahrenträger in die Kalkulation bestenfalls als Kosten eingerechnet werden. Was also für das Unternehmen rational kalkuliert ist, mag für Teile seiner Umwelt vollkommen irrational sein (z.B. wegen der Ausbeutung von Naturressourcen o.ä.).

Folglich dient Risikokalkulation vor allem auch dem Zweck Argumente für die Risikokommunikation zu haben, wenn sich der Erfolg oder Mißerfolg eingestellt hat. So können die Kalkulationen helfen die Väter des Erfolgs zu identifizieren („Weil wir so mutig waren!“) oder den Mißerfolg zu rechtfertigen („Alle Annahmen waren eigentlich richtig; nur weil die Devisenkurse so abgestürzt sind, ist es nicht gelungen.“). Diese Überlegungen sind ein weiteres Puzzleteil in der Argumentationslinie, dass Konsens über „berechtigte“ Risiken sich nicht herstellen lässt und daher Entscheidungen über Risiken immer angreifbar bleiben.