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Paradoxien der Organisation

Komplexe Situationen zeichnen sich immer dadurch aus, dass sie Paradoxien enthalten. Das heißt sie haben immer mehr als eine richtige Lösung. Da Organisationen meist ununterbrochen komplexe Situationen bearbeiten, dann hat das auf drei Ebenen Folgen:

Sachebene: Organisationen müssen Entscheidungen zwischen gleichwertigen Sach-Alternativen fällen. Jede wirkliche Entscheidung erkennt man also daran, dass sie Nachteile mit sich bringt und einen Preis hat.

Sozialebene: Organisationen müssen Entscheidungen zwischen gleichwertigen Interessen fällen. Konflikt ist also normal, nötig und nicht tilgbar. (Forschung und Entwicklung benötigt viel Zeit und Ressourcen, achtet auf Qualität und neue Features, während die Produktion Standardisierung, Praktikabilität und möglichst simple Anwendungen benötigt). Organisationen erzeugen demnach permanent Verlierer.

Zeitebene: Organisationen müssen ihre Richtungsentscheidungen immer wieder überprüfen, nachbessern, Nebenfolgen ausgleichen, umsteuern. Was heute richtig ist, kann morgen falsch sein. Daher braucht es immer wieder den Dialog darüber ob es Stabilisierung oder Veränderung braucht. Organisationen können nur wählen, welche Risiken sie eingehen; sie können nicht so  handeln, dass keine Gefahren mehr sind.

Deshalb sind Organisationen mit ihren unterschiedlichen Bereichen auf eine erfolgreiche Paradoxiebewältigung ausgelegt, um gleichzeitig in sich widersprüchliche Grundanforderungen in ein passendes und angemessenes Spannungsverhältnis miteinander zu bringen. Oder anders gesagt – Organisationen sind die Lösung für untilgbare Paradoxien. Sie eignen sich daher nur begrenzt für klassische rationale und auf Widerspruchsfreiheit ausgelegte Theoriebildungen. Und sie eignen sich aus diesem Grund ganz und gar nicht einseitig für Konsens, sondern primär für kultivierte Konflikte.