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Unterstützung von Selbstreflexion

Reflexion braucht einen gedanklichen Rahmen. Diesen Rahmen zur Verfügung zu stellen, ist eine der Funktionen hermeneutischen Arbeitens: Der Berater stellt dem Klienten Modelle vor, die es dem Klienten erlauben, seine Person, Gefühle, Gedanken, Vorlieben, Verhaltensmuster etc. einzuordnen und von denen anderer Menschen zu unterscheiden. Solche Modelle gibt es sehr viele. Ihr Wert besteht darin, Menschen zu unterstützen, eigenes oder fremdes Verhalten zu beschreiben, indem sie Begriffe und Zusammenhänge kennenlernen („Aha, ich bin gerade in einer Antreiberdynamik/ unfruchtbarem inneren Konflikt / Über-Ich-Fixierung / Nicht-Okay-Haltung / altem Schema etc.“). Ohne solche Modelle neigt man sehr viel leichter dazu, sich und andere abzuwerten oder zu verurteilen. Wenn dem Klienten inhaltliche Konzepte vorgestellt werden, die ihm ermöglichen, sich zu beschreiben statt sich zu bewerten, dann sinkt die Notwendigkeit, unbewusste eigene Prozesse weiterhin unbewusst zu halten. Es braucht gewissermaßen eine „Erlaubnis“, so sein zu dürfen, wie man vielleicht (auch) ist. Die Psychologie stellt eine Unzahl solcher Modelle zur Verfügung: Persönlichkeitstypologien, Kommunikationstypologien, Verhaltenstypologien, Entscheidungstypologien, Konflikttypologien etc.. Alle lassen sich sinnvoll nutzen, um die Selbstreflexion zu fördern, Feedback einzuholen, Selbstbeschreibungen zu erarbeiten, Dialog zu ermöglichen und Begegnung zu erleichtern. Wichtig ist, dass der Berater weiß, im Hinblick auf welche Funktion er das Modell wählt und nutzt. Die Neigung, solche Modelle kommerziell zu vermarkten, liegt nahe. Dies fördert allerdings die Verselbständigung und den undifferenzierten Einsatz solcher Tools – die automatische Einschätzung des Werkzeugs wird zur Schublade an allgemeinen Verhaltenserwartungen, die erfolgreich und beliebt machen sollen. Erst recht, wenn Selbstbeschreibungen online zur Verfügung gestellt werden und damit die Chance, Feedback und Dialog für eine individuelle Persönlichkeitsentfaltung zu nutzen, entfällt.



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