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Führungskraft und Zielbearbeitung

Am Leitprozess Zielbearbeitung lässt sich begründen, dass eine Führungskraft eine gewisse Freude an Konflikten und deren Bearbeitung haben sollte. Führen und Konflikt sind siamesische Zwillinge. Damit geht einher, dass Konflikte nicht lösbar, sondern nur regulierbar sind. Die Führungskraft benötigt dafür vor allem das, was psychologisch Ambiguitätstoleranz heißt. Dies ist die Fähigkeit zwei gegensätzlichen Werten gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schenken. Wer als Führungskraft vorschnell – um Klarheit und Eindeutigkeit zu gewinnen – aus einer Welt der Grautöne eine Welt mit Schwarz und Weiß macht, kann vermutlich die innere Zerrissenheit aller Zielbearbeitung in Organisationen schlecht ertragen. Das führt im Team dann häufig zum berühmt-berüchtigtem „Group-Think“, also der Selbstimmunisierung einer Gruppe gegen abweichende Meinungen und Standpunkte. Die Gefährlichkeit einer solchen Haltung ist in unzähligen sozialpsychologischen Studien belegt. Anders formuliert kann man sagen, dass eine Führungskraft ihrer Rolle dann gerecht wird, wenn bei allem was sie denkt und tut, immer auch ein leiser Restzweifel mitschwingen darf. Dieser macht nämlich offen für Varianten und andere Idee.

Ein Weiteres, das Führungskräften oft nicht leicht fällt ist, dass man nicht einseitig auf Problemlösung oder Interessenbearbeitung setzt, sondern beides als gleich wichtig ansieht. Dies ist emotional gar nicht so einfach, weil jeder eine Art Heimathafen hat: Die einen stellen lieber alle zufrieden, ohne das Problem zu lösen, und die anderen verlieren lieber alle Beziehungen, als dass sie Abstriche an ihrer Lösung machen. Beides ist in der Führungsrolle dysfunktional.