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Distanzbedürfnis

Für sich selbst zu sein und es zu genießen, ohne sich einsam zu fühlen, ist gut gelebtes Distanzbedürfnis. Dazu braucht es die Fähigkeit, dass die, die man liebt oder die wichtig sind, innerlich präsent bleiben. Diese Fähigkeit – Objektkonstanz nennt man das im psychoanalytischen Jargon – lässt sich kaum überbewerten. Fehlt sie nämlich, wird jedes Distanzereignis (Abschiede, getrennte Aktivitäten, Delegation von Aufgaben, Verluste) schwierig. Es ist dann Anlass zu Kontrolle, Eifersucht, Argwohn, endloser Trauer und geht mit dem Empfinden von Abhängigkeit, Ausgeliefert-Sein, Anhänglichkeit oder Antriebslosigkeit einher. Dies kann Teufelskreise in Gang setzen, da solches Verhalten und solche Zustände für Beziehungs- und Arbeitspartner meist anstrengend und wenig attraktiv sind. Distanziertes Verhalten darf dabei nicht verwechselt werden mit Distanz leben! Distanzierte Menschen haben meist Angst vor Nähe und flüchten daher in die schützende Distanz. Sie regulieren also oftmals ihre Angst vor Vereinnahmung durch Distanz vom Gegenüber und vermeiden dadurch echte Begegnung (siehe Kontakt)

Wer Distanz-Fähigkeit ausgebildet hat, kann unbefangen und leichten Herzens allein sein, den eigenen Rhythmus leben und den Reichtum der Innenschau genießen, ohne dabei die innere Bezogenheit zu den bedeutsamen Menschen zu verlieren (bzw. verlieren zu müssen, um dem inneren Erwartungslärm entkommen zu können). Auch das will gepflegt und geübt sein. Menschen, die fast nur am Nähepol unterwegs sind (und immer von Menschen umgeben sind), tun sich bisweilen schwer, Talente und Anlagen, für deren Entfaltung man alleine sein muss (z.B. in ein Problem eintauchen, ein Musikinstrument üben, künstlerische Aktivitäten, Basteln, Hobbies etc.) zu pflegen oder wieder – z.B. nach der „Kinderzeit“ – aufzugreifen. Das ist viel schwerer als man zunächst glauben mag. Ein Anlass für Beratung, der sich lohnt.



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