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Begrenzte Rationalität

Der Terminus „Begrenzte Rationalität“ ist verbunden mit dem Nobelpreisträger H.Simon. Seine Forschungsergebnisse über das Entscheidungsverhalten von Managern im Alltag, haben die theoretisch Annahme eines Teils der Wirtschaftswissenschaften, dass Entscheidungsträger auf der Grundlage „vollständigen“ Wissens handeln, als unsinnig erwiesen. Stattdessen werden Entscheidungen getroffen, wenn sie es hinreichende Gründe gibt, die für eine der im Spiel befindlichen Alternativen sprechen.

Damit sind Entscheidungen auch durch empirische Forschung als das rehabilitiert, was sie differenztheoretisch schon immer waren: Keine Rechenvorgänge die auf Fakten basieren, sondern eine Wahl, die von vielen Determinanten abhängig ist: Informationen, Willensakten, Unbewusstem, Unbekanntem, sozialen Erwartungen, Atmosphären, Unausgesprochenem, vielfältigen, inhomogenen Zielen, Widersprüchlichkeiten, komplexen Wechselwirkungen, Zeitdruck und Gelegenheiten.

Rationalität ist also wichtig, aber eben nur ein Aspekt von Entscheidungen und vor allem keine Gewähr für die Bewährung einer Entscheidung in der Zukunft. Es ist die Zukunft, die über die Güte von Entscheidungen entscheidet. Damit werden Entscheidungen nicht willkürlich, sondern ihre Bedeutung verlagert sich mehr auf die Gegenwart. Rationalität kann als ein Hilfsmittel angesehen werden, welches im gegenwärtigen Moment das Zustandekommen einer Entscheidung ermöglicht: Weil Argumente, Daten und Fakten zu Einigkeit führen können, das Loslassen von Alternativen erleichtern, Überzeugungskraft bei Andersdenkenden entfalten, Hoffnung bei bislang Ängstlichen ermöglichen u.v.a.m.. Kurzum: Rationalität bewahrt ihren Wert gerade dadurch, dass sie begrenzt bleibt (und damit Widerspruch möglich). Wäre sie nicht begrenzt, wäre sie totalitär.