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Zirkuläres Fragen

Niemand kann im Kopf des anderen Gedanken lesen und im Herzen dessen Gefühle studieren. Alles was wir über andere zu wissen meinen, ist unsere Interpretation. Sie ist genährt von dem, was wir wahrnehmen und dem, welche Bedeutungen wir dem Wahrgenommenen geben. Wenn nun der Klient gefragt wird, welche Bedeutung andere seinem Verhalten in seinen Augen wohl geben („Was meinen Sie, was Ihr Kollege mir zu Ihrem Auftreten beim Meeting erzählen würde?“), dann eröffnet dies ihm u.U. die Möglichkeit zu erkennen, dass andere ihn anders „lesen“, als er selbst das tut („Nun ja, der würde wohl sagen, dass ich mich aufgrund meiner guten Beziehung zum Chef ziemlich rücksichtslos durchsetzen will.“). Dies eröffnet ihm erstens die Möglichkeit zu einer anderen Resonanz („So gesehen kann ich mir schon vorstellen, dass er sich mit dem Rücken zur Wand fühlt und deshalb auskeilt.“) und zweitens zu einer veränderten Selbstverantwortung („Dann bin ich eigentlich nicht nur Betroffener seiner Vorwürfe, sondern habe ja selbst eine Menge dazu beigetragen, dass er sich so verhält.“). Zirkuläre Fragetechniken – es gibt viele Varianten davon – eigenen sich daher sehr gut, um gleich mehrere Leitprozesse der Psyche zur Neuentscheidung anzuregen.



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