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Zirkuläre Kausalität

Die Frau nörgelt, der Mann geht ins Wirtshaus. Warum nörgelt die Frau? Weil der Mann ins Wirtshaus geht! Warum geht der Mann ins Wirtshaus? Weil die Frau nörgelt! Das ist zirkuläre Kausalität. Jeder definiert sein Verhalten als Reaktion auf das Verhalten des anderen. Das führt zu sehr stabilen Verhältnissen. Alle leiden, trotzdem verändert sich nichts, weil man ja meint, dass das nur geht, wenn der andere sich verändert. Daran allerdings glaubt man nicht, und man merkt auch nicht, dass und wie man dazu beiträgt, dass der andere sich so verhält, wie er es tut. Wenn der Mann nun mal zu Hause bleibt, hört dann die Frau auf zu nörgeln? Im Gegenteil, sie wird, ist er doch nun endlich greifbar, besonders motiviert sein, ihn mit ihren Änderungswünschen zu beglücken! Wenn die Frau aufhört zu nörgeln, bleibt der Mann dann zu Hause? Mitnichten, er wird das als Luftholen auf ihrer Seite interpretieren und die ganze Zeit angespannt darauf warten, dass es gleich losgeht. Solche zirkulären Prozesse zu unterbrechen helfen, gehört zum Standardrepertoire professioneller Berater. Denn dann kann Neues passieren. Dafür braucht es neue Entscheidungen, wie man sein Innenleben und seine Wahrnehmung organisiert. Damit ist ein Anfang gemacht, allerdings nicht mehr. Darum springt man ggf. zu kurz, wenn man dysfunktionale Resonanz- und Reaktionsmuster zwar effektiv stört, dann aber annimmt, alles Neue würde automatisch selbstregulativ gut werden. Dazu sind die destruktiven Selbstrepräsentanzen meist zu mächtig.



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