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Trübungen

Wenn man die eigenen Erwartungen und Befürchtungen nicht (bewusst) kennt, sondern diese nur implizit ausgelebt werden, hat dies immer dysfunktionale Folgen: Eine davon ist, dass man die eigenen Annahmen darüber, wie sich eine Situation aller Voraussicht nach entwickeln wird, für wahr hält („Ist doch klar, das werde ich bitter büßen müssen beim Chef!“). Diese Erwartung ist per se schon problematisch. Sie wird es erst recht, wenn ich mir darin so sicher bin, dass ich mich so fühle, als sei es schon eingetreten. Dann unterlasse ich es auch, diese Erwartung kritisch zu überprüfen. In diesem Fall spricht man von einer Trübung. Oft nutzt man dann irgendein Signal aus der Umwelt („Er spricht kaum mehr mit mir!“), um sich der Richtigkeit der eigenen Annahmen zu versichern. Die berühmte Geschichte von Paul Watzlawick von dem Mann, der sich beim Nachbarn einen Hammer leihen möchte (Link), illustriert dies auf wunderbare Weise. Erwartungen haben ein großes Potential zur „self-fullfilling prophecy“. Dies ist der Grund, warum es in Beratungen sehr oft darum geht, sich dieser (unbewussten) Erwartungen bewusst zu werden. Ein Mensch, der auf unbewusste Erwartungen fixiert ist, muss sich gewissermaßen „enttrüben“. Er muss in Erwägung ziehen, dass seine Annahmen über die Welt nicht so rational sind, wie gedacht, sondern das Ergebnis alter Erfahrungen, die sich als Erwartungen im impliziten Gedächtnis abgespeichert haben.



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