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Top-Teams und Teamreflexion

Top-Teams werden aufgrund der Entscheidungsnotwendigkeiten der Organisation in der Tendenz immer zur Aufnahme von Informationen (Präsentationen) und zum Entscheiden verführt. In einer solchen Umgebung drohen solchen Teams mehrere Gefahren:

  • Reflektieren wird aus Zeitmangel unterlassen. Man agiert. Im Agieren wiederum handelt man auch dann, wenn man nichts tun sollte, überschätzt das eigene Wissen oder das der Kollegen, sieht sich schnell in den eigenen Vorannahmen bestätigt, bagatellisiert Inkonsistenzen und kleine Zweifel.
  • Das Üben von gemeinsamer Reflexion und damit der Verzicht auf „Downloading“ (C.O.Scharmer) wird unterschätzt. Top-Manager sind gewohnt zu wissen und klare Meinungen zu haben. In einen Dialog unter Fragenden zu gehen, Themen in der Schwebe halten, Verzicht auf Selbstüberschätzung, schnelle Urteile und Abwertungen von Ungewöhnlichem und Andersartigem – all das muss systematisch geübt und gepflegt werden, sonst geht der Sog zum Wiederholen des Bestehenden.
  • Das bewusste Schaffen von Gelegenheiten Reflexion zu praktizieren ist Aufgabe des CEOs oder Geschäftsführers. Dieser entscheidet, wenn er Reflexionsroutinen schafft, immer auch für ein Stück „Machtverlust“, für Transparenz, für Kritik auch an der eigenen Person. Das mögen nicht alle.
  • Das Potential für Kränkbarkeit ist in Top-Team meist höher als in anderen Teams. Die Kompetenz eigene (und nicht nur fremde) Unzulänglichkeiten wahrzunehmen, sie für normal oder gar wichtig anzusehen und anderen Menschen zu erlauben, diese Unzulänglichkeiten anzusprechen, ist unter Top-Managern kein Selbstläufer, sondern wird leicht vermieden.

Daher – es braucht eine bewusste Entscheidung zum regelmässigen Nicht-Entscheiden im Top-Team. Das kann ein Zeitfenster in jedem Meeting oder bei jedem Tagesordnungspunkt sein und wiederkehrende Klausuren, die dann nicht mit Entscheidungsbedarfen vollgeladen werden, sondern offene und freie Reflexionszeit zu allen Leitprozessen zur Verfügung stellen.



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