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Risiko und Beruhigung

Viele Vorgänge in Organisationen lassen sich besser verstehen, wenn man sich vor Augen hält, dass es nicht möglich ist, als Mitglied einer Organisation zu handeln (oder etwas zu unterlassen), ohne dass dies als Entscheidungen interpretiert wird. Da Entscheidungen falsch sein können, wird jegliches Verhalten mit Risiko aufgeladen! So nimmt es nicht wunder, wenn Mitglieder eine Vielzahl von Strategien entwickeln, sich im Hinblick auf dieses Risiko zu beruhigen:

  • Das Verhalten wird grundsätzlich auf risikovermeidend gestellt. D.h. man bewegt sich nur im „erlaubtem“ Rahmen und beachtet dessen Grenzen ganz besonders, weil dort unbekannte Risiken sich verbergen. Das führt zum berüchtigten „bürokratischen“ Umgang mit Anliegen anderer.
  • Entscheidungsmöglichkeiten werden im Hinblick auf Sicherheiten abgetastet. Das was sicherer scheint, wird bevorzugt bzw. Annahmen über Sicherheiten werden überinterpretiert. Argumente werden leicht „pfadabhängig“, d.h. weil man einen sicheren Aspekt gefunden zu haben glaubt, findet man leichter weitere Gründe. So erzeugt man die Illusion, man könnte die Risiken vor der Entscheidungen beherrschen.
  • Man kann auch mit dem Teufel tanzen und die gesamte Erwartung einer (Teil-)Organisation auf Risikoaffinität stellen: „Wir gehen neue Wege!“, „Wir sind unternehmerisch!“, „Wer nichts riskiert, kann nichts gewinnen!“. Man erwartet statt dem Vermeiden von (zukünftigen) Fehlern, dass man aus Fehlern lernt. Ein solches Erwartungsmuster – „Fehler schaden dem Organisationsmitglied nicht!“ – wird risikobewusst intensiv beobachtet. Jede „Bestrafung“ eines Fehlers ruft in der Regel die Asymmetrie von Vertrauen und Mißtrauen auf. Der erste (wichtige) Fehler, der dann doch bestraft wird, führt zum anhaltenden Mißtrauen gegenüber dem Muster.