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Psychologische Prozessdiagnose

Etiketten sind für Flaschen, nicht für Menschen (F. Staemmler). Du bist XYZ oder rot oder ein Depressiver oder …? Wer solche Etiketten an Menschen heftet, reduziert sie auf einen speziellen Aspekt ihrer Person. Er wertet sie implizit ab und nimmt ihnen die Einmaligkeit ihrer Existenz. Dies ist mit einem metatheoretischen Verständnis von Veränderung nicht kompatibel. Wirksame Beratung nutzt daher nicht Festlegungen über Eigenschaften, sondern diagnostiziert Ereignisse im Fluss der Zeit: „Ah, jetzt gehen Sie gerade Ihrer Neigung nach, eher an sich als am Gegenüber zu zweifeln! Was war der Auslöser?“, oder: „Sie scheinen gerade etwas Neues ausprobiert zu haben, indem Sie mich mit Verletzlichkeit in ihren Augen angeschaut haben. Stimmt das?“ Diese Art der Diagnose markiert einen Moment, ein aktualisiertes Muster, ein gegenwärtiges Geschehen. Es legt nicht fest, wie jemand ist, sondern wie jemand im Moment sich selbst lebt. Berater müssen also viel darüber wissen, welche Struktur seelische Veränderungsprozesse haben und wie man relevante Momente diagnostiziert und benennen kann. So kann man ein Verstehen anbieten, das zur Situation und dem Klienten passt und nicht das Wort aus einem Lehrbuch mit dem Menschen verwechselt, der einem gegenüber sitzt.



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