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Prozessuale Diagnose

Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gestellt. Dieser naturwissenschaftliche Grundsatz – dort in Teilen sinnvoll – ist für Beratung wenig hilfreich, eher sogar schädlich. Dennoch braucht es ein diagnostisches Vorgehen. Dies muss jedoch verträglich sein mit anderen Grundbedingungen für gelingende Beratung: Dialog, Akzeptanz, wertschätzende Beziehung, ernst genommen werden als Individuum und Gewahrsein für die Einzigartigkeit der Problemstellungen. Daher erfolgt die Diagnose prozessual. Was heißt das? Prozessual bedeutet, dass es nur ein Diagnostizieren, aber keine Diagnose gibt: Man beginnt die Beratung, der Berater nimmt sich, den Klienten und die entstehenden Beziehungsmuster wahr, er reflektiert diese, holt sich Informationen, wählt aus all dem aus, was ihm relevant erscheint, bringt dies in Kommunikation und interveniert. Er studiert die sprachliche wie körpersprachliche Reaktion des Klienten, der Berater nimmt sich, den Klienten und die entstehenden Beziehungsmuster wahr, …. und alles beginnt von vorn und wiederholt sich in vielen Schleifen. Diagnostizieren ist nie zu Ende. Fest stehende Diagnosen wären dysfunktional, weil sie leicht Schemata bilden, die die Wahrnehmung einengen und sich selbst erfüllen.



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