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Nähebedürfnis

Anderen Menschen nahe zu sein, bedeutet, sich mit seelischer Rückhaltlosigkeit dem anderen zu zeigen, und zwar mit dem, was man gerade ist. Nähe – als einer der beiden Bindungspole – ermöglicht in einer unsicheren Welt Momente von Geborgenheit, Vertrautheit und Verbundenheit. Und sie macht jenseits von Worten und Verständigung erlebbar, wie es ist, sich zu überlassen und zu vertrauen. Nun hört sich das schön an, und doch ist genau das vielen Menschen suspekt. Es erscheint ihnen gefährlich und sinnlos. Wenn jemand erlebt hat, dass Nähe bedeutet, dass der andere ausbeutend, egozentrisch, unzuverlässig, abwesend, übergriffig, vereinnahmend, missbrauchend, enttäuschend, beschämend, beschuldigend, hilflos, unkontrolliert oder unbeteiligt ist – wer möchte dann noch Nähe? Wer erlebt hat, dass das eine behauptet („Ich liebe Dich!“) und das andere gelebt wird („Du bist mir zu viel!“), für den wird Nähe sehr ambivalent. Da viele Menschen derartiges früh im Leben verarbeiteten mussten, haben sie ein Thema mit Nahe-Sein. Sie geben diese Muster zwangsläufig an ihre Kinder weiter und erschweren ihr Zusammenleben mit Partnern, Freunden, Mitarbeitern und Kollegen. Man wird distanziert, unnahbar, vorsichtig mit Menschen, beschäftigt sich lieber mit Sachen, arbeitet gern und viel und hat vergessen, wie innig das Leben sein kann. Ein Anlass für Beratung, der sich lohnt.



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