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Mitgliedschaft

Mitgliedschaft in Organisationen ist auf Zeit. Anders als in Familie oder Stamm ist man nicht Mitglied qua Geburt, sondern tritt in eine Organisation ein (wenn auch nicht immer nur freiwillig: Schule, Kirchen, Handwerkskammern u.a.). Mit dem Eintritt in eine Organisation (Vertrag, Ausweis, etc.) akzeptiert man bestimmte Erwartungen (Aufgaben, Arbeitszeiten, Arbeitsmittel, etc.) und kann seinerseits Erwartungen stellen (Lohn, geregelte Freizeit, Urlaub). Das klingt alles so trivial. Ist es aber nicht.

  1. Mitgliedschaft bestimmt, wessen Kommunikationsangebote als „Teil“ der Organisation angesehen werden. Damit wird verständlicher, wie anspruchsvoll es ist, Kunden oder Netzwerkpartner als relevant anzusehen in Netzwerkorganisationen oder bei Scheinselbständigkeit zu klären, wer zur Organisation gehört oder nicht und ob in Familienunternehmen eine nicht in der Firma arbeitende Ehefrau des Eigentümers dazuzurechnen ist oder nicht.
  2. Mitglied ist man nicht als Mensch, sondern als Erwartungsträger. Mitglied ist eine Rolle, die Rollenkompetenz erfordert. Diese ist eine Fähigkeit, die Menschen erlernen müssen.
  3. Die Beendigung einer Mitgliedschaft gibt Personen wie Organisationen eine Flexiblität, die in früheren Zeiten einer verbindlich geordneten Gesellschaft (Gilden, Adel) nicht möglich war. Nur durch losere Formen der Koppelung können Organisationen auf veränderte Bedingungen reagieren. Daher ist „Personal“ ein Leitprozess von Organisationen, weil ununterbrochen die Passung von Stellen und Stelleninhaber beobachtet werden muss.
  4. Auf Seiten der Person wird Karriere zum zentralen Element der Lebensführung. Karriere wird erkennbar über Mitgliedschaften (Titel!) in Organisationen, sie bestimmt den Einfluss, den eigene Mitteilungen (in den Organisationen) haben, und durch Karriere erreichte Mitgliedschaften werden zu einem wesentlichen Merkmal sozialer Identität.