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Komplexität und Einfachheit

N.Luhmann hat einmal formuliert, dass Komplexität sich nur noch als Seufzer – „Ach, alles ist komplex!“ – verwenden lässt, wenn man Komplexität von Einfachheit unterscheiden will. Das Einfache ist verloren gegangen. In der Physik vom Kleinsten und Größten, in der Erziehung, in der Ethik, in der Politik etc. – nirgendwo ist mehr etwas Einfaches zu finden. Aber wenn alles komplex ist, verliert der Begriff seinen Sinn. Wenn Einfachheit nicht mehr einfach(!) vorliegt, dann drängt sich der Begriff Vereinfachung auf. Vereinfachung werden gemacht.

Vereinfachung wäre dann die Aufgabe, die alle Systeme hätten, um mit komplexen Verhältnissen umzugehen. Vereinfachungen erzeugt man dadurch, dass man das meiste von dem, was möglich ist und was auf das System einwirkt, ignoriert (Das Telefon reagiert nur auf Töne, nicht auf Zeichensprache, Schrift oder Mimik!). Vereinfachungen erzeugt man auch, indem man im System nicht mehr alles mit allem kombiniert (Der ist der Experte und sagt, wo es langgeht!). Schon an diesen trivialen Bespielen kann man erkennen, dass solche Vereinfachungen Folgen haben. Sie berücksichtigen vieles – vielleicht auch Wichtiges – nicht. Das wird besonders bedeutsam, wenn das (zwangsläufig) Unberücksichtigte Folgen hat, die das System weder wollte noch ihm (oder anderen Systemen) gut tun.

So ist es kein Wunder, dass die Folgen von einer von Vereinfachungen geprägten Umgang mit Komplexität auf die Welt insgesamt, auf Organisationen, auf Teams, auf die Menschen, auf die Natur zurückwirken. Die Lösung kann nicht im Verzicht auf Vereinfachungen liegen. Aber die Vermutung liegt auf der Hand, dass es andere Vereinfachungen braucht.