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Entscheidungszwang

Das psychische System muss fortlaufend entscheiden. Entscheiden heißt wählen zwischen Alternativen (Leitprozesse!). Diese kontinuierliche Notwendigkeit des Selbsterhalts durch Wählen eines neuen Ereignisses – Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Handeln, Bewerten, Wollen, Resonieren und Verstehen –  macht das psychische System zu einem labilen System. Es gibt keine zeitüberdauernde Sicherheit für Stabilität. Niemand kann wissen, ob er morgen die Antworten findet, die es braucht, um zu überleben. Heidegger nannte dieses Element des Daseins „Sorge“. Für ihn war dies die wesentliche Bestimmung des Menschen. Für eine offene, unbekannte Zukunft je und je sich weiter „erfinden“ zu müssen (Autopoiesis), kann man als Freiheit und Freiraum erleben, aber eben auch als Sorge und Angst. Man hat immer weniger Informationen als man braucht, und alles kann sich anders entwickeln als erhofft. Aus diesem Grund braucht jeder Mensch Unsicherheitstoleranz – je komplexer die Umwelt, desto mehr. Dem Zwang, sich als autopoietisches System zu entscheiden, entkommt die Psyche nicht, im Gegenteil: Entscheidungszwang ist die Antwort des Lebens auf eine offene Zukunft.



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