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Eigenzeit und Umweltzeit

Jedes System hat seine eigene Zeit und lebt mit seiner Umwelt, die ihrerseits eigene Zeiten pflegt. Die meisten Menschen kennen das am besten mit kleinen Kindern, die so ihre eigenen Vorstellung davon haben (und durchsetzen?!), wann sie essen, schlafen und spielen wollen. Und schon entsteht das Problem, wie diese Vorstellungen von passenden Zeitpunkten synchronisiert werden können! Eltern (wie Organisationen oder Teams) können nicht auf jede zeitliche Aufforderung der Umwelt Punkt-für-Punkt-Entsprechungen ausbilden. Jedes System hat grundsätzlich die Wahl sofort, gar nicht oder verzögert auf Umweltanforderung zu reagieren.

Um die Kopplung der Zeiten von System und Umwelt genauer zu betrachten, ist eine etwas in Vergessenheit geratene, für das Verständnis von Veränderung jedoch ausgesprochen wichtige Unterscheidung von N. Luhmann hilfreich. Er differenziert zwischen zeitplastischen und zeitdynamischen Umwelten. Was ist damit gemeint?

Zeitdynamische Umwelten versorgen das System mit eindeutigen Zeitpunkten, Zeitplänen und Tempovorgaben. Dies entspricht meist nicht den systemeigenen Zeitmustern. Zeitplastische Umwelten lassen sich vom System „bearbeiten“. Sie bieten mehr Möglichkeiten, die es dem System erlauben weniger „fremdbestimmt“ zu sein, in dem es variabel und gestaltend die Toleranzräume der Umwelt ausnutzt.

Wer als Eltern geduldige Kinder, als Team einen entspannte Teamleiter, als Organisation keine schnellen Entwicklungszeiten oder fixen Launch-Termine hat, der kann anders intern agieren, als wenn es genau andersherum ist. Es muss hier eigentlich nicht eigens vermerkt werden, dass solche „zeitplastischen“ Verhältnisse – jedenfalls in der Arbeitswelt – eher die Ausnahme sind und daher zeitliche Stress ein Merkmal vieler Systeme geworden ist.



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