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Bedürfnispolaritäten

Die drei seelischen Grundbedürfnisse haben eine polare Verfasstheit (siehe Polaritäten).

  • Bindung lebt von Nähe und Distanz: Bindung, welche nur aus Nähe besteht, wird zur Fessel; wenn sie nur in Distanz besteht, zum Nebeneinander. Beides hat mit Bindung nichts mehr zu tun, da Bindung eben bedeutet, dass man etwas alleine machen kann und weiß, dass der andere da sein wird und erreichbar ist, wenn man wiederkommt. Und man kann sich sehr nahe sein und weiß, dass man sich selbst dabei nicht aufgeben muss.
  • Selbstbestimmung lebt von Freiheit und Sicherheit: Ohne Sicherheit wird Selbstbestimmung zum Chaos, ohne Freiheit zum Korsett. Auch hier: Weder Chaos noch Korsett ermöglichen Selbstbestimmung, da ich im Chaos Spielball von anderen Mächten bin und im Korsett im selbstgewählten Ordnungswahn ersticke.
  • Selbstachtung lebt von Einzigartigkeit und Zugehörigkeit: Einzigartigkeit allein führt zum Außenseitertum, Zugehörigkeit allein zum Verschwinden in der Masse. Selbstachtung braucht also interessanterweise die anderen: Ohne mich von anderen zu unterscheiden, finde ich nichts Besonderes an mir, und ohne mich in anderen wiederzufinden, finde ich nichts Liebenswertes.

Aus dieser polaren Verfasstheit der Bedürfnisse leitet sich einerseits ein permanenter Regulationsbedarf ab. Man ist nie fertig! Andererseits gibt es streng genommen kein Wohlfühlen ohne Verzichtskompetenz. Wer dem einem Bedürfnis nachgeht, vernachlässigt in einem polaren Feld zwangsläufig das andere. Wer nicht gut mit Frustration umgehen kann, kann kein glücklicher Mensch sein. Daher kommt der Kompetenz, mit unangenehmen Gefühlen gut umgehen zu können, so hohe Bedeutung zu.



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